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Kryoglobulinämische Vaskulitis
Die gemischte Kryoglobulinämie (MC) ist eine seltene Multisystemerkrankung und gekennzeichnet durch im Serum zirkulierende, kälteagglutinierende Immunkomplexe. Die Krankheit wird klinisch durch die klassische Trias Purpura, Muskelschwäche und Arthralgie manifest.
ORPHA:91138
Klassifizierungsebene: Störung
- Kryoglobulinämie, essentielle
- Kryoglobulinämie, essentielle gemischte
- Kryoglobulinämie, gemischte
- Kryoglobulinämie, primäre
Prävalenz: Unbekannt
Erbgang: Nicht anwendbar
Manifestationsalter: Alle Altersgruppen
Sie gilt als eine seltene Erkrankung, aber ihre tatsächliche Prävalenz ist nicht bekannt. Die Krankheit ist häufiger in Südeuropa als in Nordeuropa oder Nordamerika. Die Prävalenz der 'essentiellen' MC wurde mit etwa 1: 100.000 (mit einem Verhältnis weiblich zu männlich von 3:1) angegeben, aber dieser Terminus wird heute nur noch für eine Minorität der MC-Patienten ohne offensichtliche ätiologische Ursache benutzt.
Mit Bezug auf immunchemische Eigenschaften wurden zwei Typen der gemischten Kryoglobulinämie beschrieben: Typ II und Typ III MC. Beim Typ II setzen sich die kryopräzipitierbaren Immunkomplexe aus monoklonalen Ig M, den Autoantikörpern, und polyklonalen IgGs, den Autoantigenen, zusammen; beim Typ III bestehen die Immunkomplexe sowohl aus oligo-/polyklonalen IgMs als auch polyklonalen IgGs. Die Kryoglobulinämie vom Typ I umfasst monoklonale Immunglobuline nur eines Isotyps und ist eine eigenständige Krankheit. Die MC ist durch eine variable Organbeteiligung einschließlich Hautläsionen (orthostatische Purpura, Ulzera), chronische Hepatitis, membranoproliferative Glomerulonephritis, periphere Neuropathie, diffuse Vaskulitis und, seltener, interstitielle Lungenbeteiligung und endokrine Störungen gekennzeichnet. Bei einigen Patienten können lymphatische und hepatische Malignome auftreten, meist als Spätkomplikationen. Die MC kann mit mehreren infektiösen und immunologischen Krankheiten assoziiert sein. Wenn sie isoliert auftritt, repräsentiert die MC eine andere, eigene Krankheit, die sog. 'essentielle' MC.
Die Ätiopathogenese von MC ist nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass eine Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) bei der Mehrzahl der Patienten eine ursächliche Rolle spielt, wobei auch genetische und/oder Umweltfaktoren eine Rolle spielen. Darüber hinaus kann MC mit anderen Infektionserregern oder immunologischen Störungen wie einer Infektion mit dem Humanen Immundefizienz-Virus (HIV) oder dem primären Sjogren-Syndrom in Verbindung gebracht werden.
Zur Diagnose führen die klinischen Befunde und die Ergebnisse von Laboruntersuchungen: Zirkulierende gemischte Kryoglobuline, niedrige C4-Spiegel und orthostatische Purpura der Haut sind die herausragenden Symptome. Der typische pathologische Befund ist eine leukozytoplastische Vaskulitis der mittleren und häufiger der kleinen Blutgefäße. Er ist leicht in einer Hautbiopsie jüngerer vaskulitischer Läsionen nachweisbar.
Die Differentialdiagnose umfasst ein breites Spektrum systemischer, infektiöser und neoplastischer Erkrankungen, insbesondere Autoimmunhepatitis, primäres Sjögren-Syndrom, B-Zell-Lymphome und rheumatoide Arthritis.
Die Behandlung sollte sich nach der zugrunde liegenden Ätiopathogenese richten. Die Erstbehandlung von infektionsbedingtem MC sollte mit der am besten geeigneten spezifischen antiinfektiösen Therapie (in der Regel Virostatika) erfolgen. Patienten mit einer zugrunde liegenden lymphoproliferativen oder Autoimmunerkrankung sollten eine geeignete krankheitsspezifische Therapie erhalten. Der Einsatz von Immunmodulatoren, Immunsuppressiva, Kortikosteroiden und/oder Plasmapherese sollte je nach Verlauf und Schweregrad der spezifischen klinischen Manifestationen auf den Patienten zugeschnitten sein und kann allein oder in Kombination/Sequenz mit Virostatika erfolgen. Der Einsatz von Immunmodifikatoren, Immunsuppressiva und Plasmapherese kann bei HCV-negativem MC ("essenzielles" MC-Syndrom) oder bei klinisch aktivem/rezidiviertem MC, das bei einigen Patienten auch nach HCV-Eradikation beobachtet werden kann, eine wichtige Rolle spielen. Anti-CD20 (Rituximab) wird zunehmend als wirksame und sichere Behandlung für schwere MC-Komplikationen (Nephropathie, Neuropathie, schwere Vaskulitis usw.) eingesetzt. Bei allen MC-Patienten wird eine langfristige Überwachung empfohlen, um eine rechtzeitige Diagnose und Behandlung der lebensbedrohlichen Komplikationen zu gewährleisten.
Ein Fortbestehen der Krankheit und ein Rückfall lassen sich eher verhindern, wenn die klinische Vorgeschichte von MC berücksichtigt wird und eine frühzeitige Behandlung und Eradikation von HCV erfolgt. In ähnlicher Weise kann eine rechtzeitige Behandlung schwerer Manifestationen des MC-Syndroms ein Fortschreiten der Organschädigung verhindern. Die Gesamtprognose ist bei Patienten mit Nierenerkrankungen, Leberversagen, lymphoproliferativen Erkrankungen und bösartigen Tumoren schlechter. Darüber hinaus besteht beim MC-Typ II (seltener MC-Typ III), insbesondere bei Patienten mit lang anhaltender Erkrankung, eine höhere Prädisposition für die Entwicklung eines malignen B-Zell-Lymphoms oder anderer Malignome.
Aktualisiert am: August 2020 - Gutachter : Pr Clodoveo FERRI
: erstellt/empfohlen von ERN
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