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Jervell-Lange-Nielsen-Syndrom

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Krankheitsdefinition

Ein schwere Variante des Familiären Long-QT-Syndroms (LQTS), das durch eine angeborene hochgradige beidseitige Schallempfindungsschwerhörigkeit, ein langes QT-Intervall im Elektrokardiogramm und lebensbedrohliche ventrikuläre Tachyarrhythmien gekennzeichnet ist.

ORPHA:90647

Klassifizierungsebene: Störung

Synonym(e):
  • QT-Intervall, verlängertes - Schwerhörigkeit

Prävalenz: 1-9 / 1 000 000

Erbgang: Autosomal-rezessiv

Manifestationsalter: Neugeborenenzeit

ICD-10: I45.8

ICD-11: BC65.0

OMIM: 220400 612347

UMLS: C0022387

MeSH: D029593

GARD: 3048

MedDRA: 10057936

Zusammenfassung
Epidemiologie

Das Jervell-Lange-Nielsen-Syndrom (JLNS) ist sehr selten. In Abhängigkeit von der untersuchten Population liegt die geschätzte Prävalenz zwischen 1: 100.000 und 1:1 Million. In Populationen mit häufigen Verwandtenehen ist die Prävalenz des JLNS größer.

Klinische Beschreibung

Bei fast 50% der Patienten treten die Symptome vor dem dritten Lebensjahr auf. Der typische Aspekt des JLNS ist ein schwerhöriges Kind mit Synkopen bei Stress, Anstrengung oder Kälte. Die Schwerhörigkeit ist angeboren, beidseitig und sensorisch-neural. Das QT-Intervall ist beim JLNS in der Regel erheblich verlängert (>500ms) und mit Tachyarrhythmien (ventrikuläre Tachykardie, Episoden von Torsades de pointes (TdP) mit polymorphen Kammertachykardien und Kammerflimmern) verbunden, die zu Synkopen oder plötzlichem Tod führen können. Das JLNS ist die schwerste Variante des LQTS, die Patienten entwickeln die Symptome viel früher als in den anderen LQTS-Untergruppen. Bei etwa 90% der Patienten werden die kardialen Episoden durch intensive oder plötzliche Emotionen, durch kompetitiven Sport, durch Frieren oder einen Sprung in kaltes Wasser ausgelöst.

Ätiologie

Ursache des JLNS sind homozygote oder compound-heterozygote Mutationen entweder im KCNQ1-Gen (Locus LQT1; 11p15.5) oder im KCNE1<7i>-Gen (Locus LQT5; 21q22.1-q22.2). Die Vererbung ist autosomal-rezessiv.

Diagnostische Verfahren

Zur Diagnose führen angeborene Schallempfindungs-Schwerhörigkeit, langes QT-Intervall und der Nachweis ursächlicher KCNQ1- oder KCNE1-Mutationen. Molekulargenetische Tests sind klinisch verfügbar.

Differentialdiagnose

Die Differentialdiagnose für Hörverlust umfasst andere Formen von syndromalen und nicht-syndromalen angeborenen und erworbenen Störungen, die mit sensorineuralem Hörverlust einhergehen. Die Differentialdiagnose für kardiale Ereignisse umfasst andere Formen von LQTS, Elektrolytanomalien (Hypokaliämie, Hypomagnesiämie und Hypokalzämie), orthostatische Hypotonie, vasovagale Synkope und medikamenteninduziertes LQTS.

Pränataldiagnostik

Bei Kenntnis der krankheitsverursachenden Mutationen in der Familie sind Pränatal- und Präimplantationsdiagnose möglich.

Genetische Beratung

Der Erbgang ist autosomal-rezessiv, eine genetische Beratung wird empfohlen. Das Risiko, dass die Nachkommen die Krankheit erben, beträgt 25%, wenn beide Eltern heterozygote Träger der Mutation sind. Die Eltern können am Romano-Ward-Syndrom erkrankt sein, das jedoch in der Regel sehr mild verläuft.

Management und Behandlung

JLNS-Patienten mit Hörverlust profitieren von einer Cochlea-Implantation. Das Hauptziel bei der Behandlung von JLNS ist die Vermeidung von Synkopen, Herzstillstand und plötzlichem Tod. Der therapeutische Ansatz wird durch das frühe Alter erschwert, in dem die meisten Patienten symptomatisch werden. Da die Wirksamkeit von Betablockern bei JLNS zwar gut, aber nicht vollständig ist, sollte ein implantierbarer Kardioverter-Defibrillator (ICD) ernsthaft in Erwägung gezogen werden und, falls erforderlich, eine linkskardiale sympathische Denervierung (LCSD). Doch selbst mit zusätzlichen Therapien (Herzschrittmacher, ICD und LCSD) treten bei mehr als 50 % der Patienten zusätzliche Symptome auf und es besteht die Gefahr eines plötzlichen Todes. Familienmitglieder sollten in der kardiopulmonalen Reanimation geschult werden, da bis zu 95 % der Patienten mit JLNS vor dem Erwachsenenalter ein kardiales Ereignis erleiden.

Prognose

Mehr als die Hälfte der unbehandelten Kinder stirbt vor dem 15. Lebensjahr.

Aktualisiert am: September 2020 - Gutachter : Pr Peter SCHWARTZ
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