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Sialidose Typ 2
ORPHA:87876
Die Sialidose ist eine lysosomale Speicherkrankheit aus der Gruppe der Oligosaccharidosen oder Glykoproteinosen. Zwei Sialidose-Typen wurden definiert, der Typ 2 (auch als infantile, dysmorphe Form der Sialidose bezeichnet) und der Typ 1 (eine Form mit späterem Beginn und ohne wesentliche Dysmorphien). Die Prävalenz bei Lebendgeborenen wurde für beide Typen zusammen auf 1:4.200.000 geschätzt. Zwei Formen des Typs 2 wurden beschrieben, eine kongenitale oder Neugeborenen-Form und eine infantile Form. Die kongenitale Form kann sich schon intra-uterin mit fetalem Hydrops und fetalem Ascites manifestieren. Die Neugeborenen-Form ist gekennzeichnet durch Ödem, Hepatosplenomegalie, Aszites und noch andere Symptome, die mit unterschiedlich starker Ausprägung denen des Hurler-Syndroms (Mukopolysaccharidose Typ 1, s. dort) ähneln: Faziale Dysmorphien, Dysostosis multiplex, kurzer Stamm mit prominentem Sternum, Kyphose und Umbilical- und Inguinalhernien. Spätere Symptome der Kinder sind Minderwuchs (bis zum 18. Lebensmonat nimmt die Wachstumsrate ab), Schwerhörigkeit, ein kirschroter Fleck auf der Retina (nach dem 3. Lebensjahr ein konstantes Merkmal), Hornhauttrübungen, myoklone Krampfanfälle und verlangsamte Entwicklung (verspätetes Sprechen und Laufen) gefolgt von psychomotorischer Regression. Bei einigen Patienten ist auch die Niere betroffen (Nephrosialidose). Es wurden auch Patienten mit progressiven juvenilen Formen mit leichteren Dysmorphien, Angiokeratomen und kirschrotem Fleck beschrieben, bei denen es sich aber wohl um Formen der Galaktosialidose handelte. Kleinhirnstörungen treten in der Adoleszenz auf und sind begleitet von Pyramidenbahn-Zeichen und peripherer Neuropathie. Ursache der Sialidose Typ 2 sind Mutationen im NEU1-Gen (Chromosomenregion 6p21), die zu verminderter Aktivität der N-Acetyl-Alpha-Neuraminidase (Sialidase 1) und zur Speicherung von Sialyl-Oligosacchariden führen. Die Krankheit wird autosomal-rezessiv vererbt. Die Ausscheidung von Sialyl-
Oligosaccharid im Urin ist ein Hinweis auf die Sialidose, aber die Diagnose soll durch Messung der Alpha-D-Neuraminidase-Aktivität in Leukozyten oder, am besten, in kultivierten Fibroblasten bei gleichzeitigem Nachweis einer normalen Aktivität der Beta-Galaktosidase gesichert werden. Die wichtigsten Differentialdiagnosen sind die Galaktosialidose (mit gemeinsamem Defekt der Beta-Galaktosidase und Neuraminidase) und die Mukoplysaccharidosen Typ 1 und Typ 2 (s. dort). In Risikofamilien können Heterozygote durch molekulare Analyse erkannt werden, wenn beim Indexpatienten beide Mutationen bekannt sind. Wichtig ist die korrekte Diagnose der intra-uterinen Manifestation, um intra-uterinen Fruchttod oder späte Abbrüche in nachfolgenden Schwangerschaften zu vermeiden. Da es keine wirksame Behandlung gibt, soll den Eltern betroffener Kinder in den folgenden Schwangerschaften eine vorgeburtliche Diagnostik (Messung der Enzymaktivität oder molekulare Analyse, wenn beide Mutationen bekannt sind) angeboten werden. Die Patienten müssen von einem multidisziplinären Team betreut und wirksam symptomatisch behandelt werden, um ihre Lebensqualität zu verbessern. Die myoklonischen Krämpfe sprechen oft nur schlecht auf die Therape an. In seltenen Fällen wurde eine allogene Knochenmarktransplantation durchgeführt, ein Fortschreiten der Niereninsuffizienz und eine Verschlechterung der Knochensymptome wurde dadurch aber nicht verhindert. Die kongenitale Form verursacht eine Totgeburt oder führt innerhalb der ersten beiden Lebensjahre zum Tod. Patienten mit den anderen Formen werden selten älter als 20 Jahre.
Aktualisiert am: Februar 2007 - Gutachter : Dr Roseline FROISSART - Dr Irène MAIRE
: erstellt/empfohlen von ERN
: erstellt/empfohlen von FSMR
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