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Galaktosämie, klassische
Die klassische Galaktosämie ist eine lebensbedrohliche Stoffwechselkrankheit mit Beginn in der Neugeborenenzeit. In der Regel entwickeln die Neugeborenen Fütterprobleme, Lethargie und schwere Leberfunktionsstörung.
ORPHA:79239
Die Gesamtprävalenz ist nicht bekannt. Die Prävalenz bei Geburt wird in der westlichen Welt auf 1:40.000-1:60.000 geschätzt. Die Krankheit scheint in Bevölkerungen mit europäischer Herkunft häufiger zu sein als in anderen ethnischen Gruppen, aber die Häufigkeiten in anderen Populationen werden eventuell zum niedrig angegeben. Beide Geschlechter sind gleich betroffen.
Beim Trinken von Brustmilch oder laktosehaltigen Getränken entwickeln die Säuglinge Fütterprobleme, Gedeihsstörungen und Zeichen eines Leberschadens (Ikterus, Blutungsneigung, Hypoglykämie). Ohne angemessene Behandlung (Galaktose-Restriktion) kann es zu Sepsis (E. coli) und zum Tod kommen. Trotz adäquater Behandlung treten Langzeit-Komplikationen auf: Kognitive Einschränkung, motorisches Defizit, Ovar-Dysfunktion mit verminderter Fertilität der Frauen und verminderte Knochendichte. Die männliche Fertilität wurde noch nicht ausreichend untersucht.
Ursache der klassischen Galaktosämie sind Mutationen im GALT-Gen (9p13), das für die Galaktose-1-Phosphat-Uridyltransferase kodiert. Bei schwerer Beeinträchtigung der Enzymaktivität resultiert der Phänotyp einer klassischen Galaktosämie. Die sog. Varianten sind Mutationen im GALT-Gen mit höherer Restaktivität des Enzyms, wodurch es zu nur milden oder ganz fehlenden Symptomen der Galaktosämie kommt, z.B. bei der Duarte-Variante.
In vielen Ländern ist die Galaktosämie Bestandteil des Neugeborenen-Screenings. Ohne dieses Screening wird die Diagnose erst aus den klinischen Symptomen gestellt. Die Diagnose kann durch die Messung der relevanten Metaboliten und der Enzymaktivität und durch Mutationsanalyse im GALT-Gen bestätigt werden.
Differentialdiagnosen sind der Galaktose-Epimerase-Mangel und andere Krankheiten mit akuter Leberfunktionsstörung im Neugeborenenalter.
Die vorgeburtliche Diagnostik erfolgt in der Regel durch Mutationsanalyse in Chorionzotten. Wenn die Mutationen in der Familie bekannt sind, können auch Verwandte mit einem Risiko untersucht werden.
Die Galaktosämie wird autosomal-rezessiv vererbt. Eltern eines betroffenen Kindes bekommen in einer folgenden Schwangerschaft mit einer Wahrscheinlichkeit von 25 % ein weiteres betroffenes Kind.
Die Behandlung besteht primär in Galaktose-Restriktion der Diät. Die Säuglinge sollen mit einem Sojapräparat oder einem anderen laktosefreien Präparat ernährt werden. Diese Diät müssen die Patienten lebenslang einhalten. Um einer Verminderung der Knochenmasse vorzubeugen, werden Kalzium-, Vitamin D- und Vitamin K-Supplemente empfohlen, wenn der tägliche Bedarf durch die Nahrung nicht gedeckt ist. Unerlässlich sind Kontrollen der kognitiven und motorischen Entwicklung, der Gonaden-Funktion und der Knochenmasse. Untersuchungen der Augen werden im Fall von Säuglingskatarakt oder bei mangelhafter Einhaltung der Diätvorschriften empfohlen. Trotz diätetischer Behandlung treten Langzeit-Komplikationen auf.
Die Prognose wird durch die Faktoren bestimmt, die den Beginn und den Verlauf sekundärer Komplikationen bestimmen: Alter bei der Diagnose, Schwere der Krankheit und Compliance mit der Diät.
Aktualisiert am: Dezember 2011 - Gutachter : Pr M.E. [Estela] RUBIO-GOZALBO
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