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Reynolds-Syndrom
Das Reynolds-Syndrom (RS) ist eine Autoimmunkrankheit mit primärer biliärer Zirrhose (PBC) und begrenzter kutan-systemischer Sklerose (lcSSc) (siehe diese Termini).
ORPHA:779
Die Prävalenz der systemischen Sklerose (SSc) bei Patienten mit PBC beträgt 5-15 %. Umgekehrt beträgt die Prävalenz der PBC bei Patienten mit SSc etwa 2 %. Das weibliche Geschlecht ist häufiger betroffen.
Die Krankheit beginnt im Alter zwischen 30-65 Jahren. Das RS verbindet die Symptome einer PBC (Schwäche, Pruritus durch Cholestase, Hepatomegalie) mit den meisten Merkmalen einer lcSSC (kutane Kalzifikationen, Fingergeschwüre, faziale Teleangiektasien, Kalzinose, Raynaud-Phänomen, Beteiligung des Ösophagus, Sklerodaktylie). In der Hälfte der Fälle treten die Symptome der des Sklerodaktylie vor denen der PBC auf. Etwa 25-50 % der neu diagnostizierten RS-Patienten haben eine hyperpigmentierte Haut und in späteren Stadien einen Ikterus. Bei etwa 40 % der Patienten mit PBC werden entzündliche Arthropathien gesehen. Bei einigen Patienten ist das RS mit anderen Autoimmunkrankheiten assoziiert, z.B. Sjögren-Syndrom, autoimmun-hämolytische Anämie und (bisher 1 Fall) Thymom (siehe diese Termini). Möglicherweise besteht ein Overlap-Syndrom zwischen nodulärer regenerativer Hyperplasie der Leber (siehe diesen Terminus), PBC und lcSSc.
Der pathophysiologische Mechanismus des RS ist nicht geklärt, vermutlich ist es eine Autoimmun-Krankheit. Bei einer Frau mit europäischem Hintergrund wurde eine heterozygote Missense-Mutation in Exon 9 des Lamin B-Gens (LBR) gefunden, durch die wahrscheinlich die Tertiärstruktur des Proteins verändert wird. Mutationen im LBR-Gen wirken entweder direkt pathogen oder stellen zusammen mit anderen genetischen und Umwelt-Faktoren einen prädisponieren Faktor dar.
Zur Diagnose des RS führen die klinischen Befunde für lcSSc und PBC, auf Cholestase deutende Laborbefunde (erhöhte Serumspiegel der Alkalischen Phosphatase und Gamma-Glutamyl-Transpeptidase), erhöhte IgM-Spiegel, der Nachweis von Mitochondrien-Antikörpern im Serum, der histologische Nachweis einer nicht-eitrigen destruktiven Cholangitis und Untergang interlobulärer Gallengänge. Ein erhöhter Bilirubin-Serumsspiegel ist ein ungünstiges prognostisches Zeichen. Bei Patienten mit RS wurden Autoantikörper für beide Facetten der Krankheit (anti-mitochondriale Antikörper für PBC und und Anti-Zentromer-/Anti-Topoisomerase- Antikörper für SSc) und den Verdacht stützende mikroskopische Anomalien der Haut und der Leber nachgewiesen. Weiterhin wurde beim RS ein gehäuftes Vorkommen klonaler Populationen von CD8+ TCRBV3+ T-Zellen gefunden.
Die Assoziation von primär-sklerosierender Cholangitis und SSc ist extrem selten. Cholestase bei Patienten mit SSc kann Folge einer Stauungs-Leber bei Rechtsherzversagen wegen schweren Lungenhochdrucks sein. Eine der PBC ähnliche Cholestase ist als Medikamenten-Nebenwirkung (Antibiotika, anabole Steroide, Kontrazeptiva, Chlorpromazin, Cimetidin, Östradiol) möglich.
RS tritt sporadisch auf, seltene familiäre Fälle mit unklarem Vererbungsmuster wurden aber beschrieben.
Eine kurative Behandlung des RS gibt es nicht. Unterstützende Therapien sind physiotherapeutische Begleitung, und die Behandlung der PBC mit Ursodesoxycholsäure (UDCA) zur Normalisierung der Cholestase-Parameter. Potentiell hepatotoxische Medikamente wie Bosentan-Monohydrat oder Methotrexat können zur Behandlung von SSc-Symptomen eingesetzt werden, wenn die Transaminasen unterhalb des 3-fachen oberen Normalwertes liegen und im Verlauf in diesem Bereich verbleiben.
Die noduläre regenerative Hyperplasie der Leber ist eine seltene Komplikation bei SSc. In der Regel haben die Patienten eine gute Prognose, besonders, wenn mit der UDCA-Behandlung in frühen Stadien begonnen wird. Die Prognose des RS wird durch den Schweregrad der PBC bestimmt, hängt aber auch vom Verlauf der SSc ab, da die lcSSc ein erhöhtes Risiko für arteriellen Lungenhochdruck beinhaltet. Durch regelmäßige Kontrollen der Leberfunktion wird der Krankheitsverlauf dokumentiert. Prognostisch ungünstige Faktoren sind erhöhtes Alter, Hyperbilirubinämie, vermindertes Serumalbumin und und der bioptische Befund einer Leberzirrhose. Patienten mit RS scheinen bessere Überlebenschancen zu haben als Patienten mit PBC allein.
Aktualisiert am: November 2013 - Gutachter : Pr Eric HACHULLA
: erstellt/empfohlen von ERN
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