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Phenylketonurie
Eine seltene angeborene Störung des Aminosäurestoffwechsels, die durch erhöhte Phenylalaninwerte im Blut und niedrige oder fehlende Werte des Enzyms Phenylalaninhydroxylase gekennzeichnet ist. Wird die Störung nicht frühzeitig erkannt oder unbehandelt gelassen, äußert sie sich in einer leichten bis schweren Intelligenzminderung.
ORPHA:716
Die Prävalenz der PKU zeigt erhebliche geographische Unterschiede. In Europa wird sie auf 1:10.000 Lebendgeburten geschätzt, mit größeren Häufigkeiten in einigen Ländern (Irland, Italien). In der Türkei ist die Prävalenz mit 1:4.000 Lebendgeburten besonders hoch. Viel seltener ist die PKU in finnischen, afrikanischen und japanischen Populationen.
Ohne Neugeborenen-Screening und sofortigem Therapiebeginn entwickeln sich innerhalb weniger Monate nach Geburt die Symptome, deren Schweregrad von sehr mild bis schwer reicht. Zu ihnen gehören eine graduelle Entwicklungsverzögerung, verlangsamtes Wachstum, Mikrozephalie, Krämpfe, Tremor, Ekzeme, Erbrechen und muffiger Geruch. Unbehandelte Patienten entwickeln in der Folge intellektuelle Beeinträchtigung, Verhaltensstörungen (Hyperaktivität) und motorische Störungen. Die Patienten haben oft als Folge eines Tyrosinmangels helle Haare. Die häufigste Form der Krankheit ist als klassische Phenylketonurie bekannt und durch schwere Symptome gekennzeichnet. Es gibt auch eine milde Form (milde PKU) und eine noch mildere Form, die als milde Hyperphenylalaninämie (milde HPA oder nicht-PKU HPA) bezeichnet wird. Bei einer Untergruppe von Patienten mit milderen Phänotypen hat man festgestellt, dass sie auf Tetrahydrobiopterin (BH4), den Cofaktor der Phenylalaninhydroxylase, ansprechen (BH4-responsive HPA).
PKU wird durch eine Vielzahl von Mutationen im PAH-Gen (12q22-q24.2) verursacht, das für Phenylalaninhydroxylase kodiert. PAH-Varianten sind nicht verantwortlich für eine verwandte Störung, die als Hyperphenylalaninämie aufgrund eines BH4-Mangels bekannt ist. Die Häufigkeit der Varianten variiert zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen. Niedrigere Werte oder das Fehlen des Enzyms Phenylalaninhydroxylase sind die Ursache für die klinischen Symptome, die auf eine toxische Anhäufung von Phenylalanin im Blut und im Gehirn zurückzuführen sind.
Gewöhnlich wird die Krankheit im Rahmen des Neugeborenen-Screenings diagnostiziert.
Die PKU muss vom BH4-Mangel unterschieden werden.
Die PKU wird autosomal-rezessiv vererbt. Den betroffenen Familien soll eine genetische Beratung angeboten werden.
Die grundlegende Behandlung besteht aus einer phenylalaninarmen Diät und einer Aminosäurenmischung für die behandlungsbedürftigen Formen. Nach den europäischen Leitlinien für die Behandlung der PKU liegt der empfohlene Erhaltungswert bei Neugeborenen in der Regel zwischen 120 und 360 Mikromol/L. Bei älteren Patienten mit Werten über 600 Mikromol/L wird eine Behandlung als unerlässlich angesehen.
Die Prognose ist unterschiedlich, aber bei frühzeitiger Diagnose und angemessener Behandlung günstig.
Aktualisiert am: Dezember 2020 - Gutachter : Pr Nenad BLAU
: erstellt/empfohlen von ERN
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