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Muckle-Wells-Syndrom
Das Muckle-Wells-Syndrom (MWS) ist eine Zwischenform des Cryopyrin-assoziierten periodischen Syndroms (CAPS; siehe dort) und gekennzeichnet durch rezidivierendes Fieber (mit Unwohlsein und Schüttelfrost), rezidivierenden urtikaria-ähnlichen Hautausschlag, sensorineurale Taubheit, allgemeine Entzündungszeichen (Augenrötung, Kopfschmerzen, Arthralgie/Myalgie) und eine potentiell lebensbedrohliche sekundäre Amyloidose (Typ AA).
ORPHA:575
Die Prävalenz von MWS ist unbekannt. In einer französischen Erhebung durch genetische Labors wurden jedoch 135 Fälle gemeldet und die CAPS-Prävalenz auf 1/360.000 geschätzt.
Der Beginn von MWS ist variabel, aber die Patienten präsentieren sich in der Regel innerhalb der ersten Lebensjahre mit wiederkehrenden Fieberspitzen (max. 39-40 °C), die in der Regel am Abend beginnen (zirkadianes Muster) und einige Stunden andauern, wobei sie im Laufe einer Woche immer wieder auftreten können. Intensives allgemeines Unwohlsein und Schüttelfrost treten gleichzeitig auf und führen zu schweren Beeinträchtigungen. Ein nicht-pruriginöser urtikarieller Hautausschlag (diffuse, erythematöse, ödematöse Plaques auf einem Hintergrund generalisierter, schwach erythematöser Flecken) ist ein Hauptmerkmal von CAPS und tritt im Allgemeinen mit deutlicher Intensivierung während akuter Episoden auf. Eine fortschreitende, hochfrequente sensorineurale Taubheit, die zumindest teilweise auf eine chronische Entzündung der Cochlea zurückzuführen ist, beginnt in der Kindheit (im Allgemeinen nach dem 10. Lebensjahr) und führt zur vollständigen Taubheit. Myalgien, Arthralgien und distale Ödeme sind sehr häufig. Mit zunehmendem Alter entwickeln die Patienten ein eythematöses Band über den Händen sowie Trommelschlägelfinger. Weitere Merkmale sind schwere chronische Müdigkeit, wiederkehrende Kopfschmerzen, kognitive Beeinträchtigung, Augenbeteiligung (Konjunktivitis, Uveitis, Episkleritis), orale Aphthose, Lymphadenopathie, Thorax- und Bauchschmerzen. Kälte, Müdigkeit, Stress oder körperliche Anstrengung sind allgemeine Auslöser einer akuten Entzündung, doch können akute Schübe auch unprovoziert auftreten. Eine sekundäre Amyloidose (siehe diesen Begriff), die sich durch eine anhaltende Proteinurie bemerkbar macht, ist ein auffälliges Merkmal, das 25 % der Patienten betrifft und zu einer chronischen Niereninsuffizienz führen kann. Schwere MWS-Fälle (MWS/CINCA) können eine chronische Meningitis, ein papilläres Ödem mit fortschreitender Optikusatrophie aufweisen. Gedeihstörung und männliche Sterilität sind häufig.
MWS ist auf eine dominante Mutation im NLRP3-Gen (1q44) zurückzuführen, das für Cryopyrin kodiert. Dieser Defekt führt zu einem Funktionsgewinn von Cryopyrin, der letztlich zu einer erhöhten Sekretion des proinflammatorischen Zytokins Interleukin (IL)-1 beta und einer dysregulierten Entzündung führt. Mutationen in diesem Gen können auch zwei weitere CAPS-Phänotypen verursachen: die familiäre Kälteurtikaria (FCAS) und das CINCA-Syndrom (siehe dort). Patienten, die eine identische Aminosäuresubstitution tragen, können deutlich unterschiedliche klinische Subtypen aufweisen, was darauf hindeutet, dass zusätzliche genetische und/oder umweltbedingte Faktoren bei der Krankheitsausprägung eine Rolle spielen. Ein somatisches NLRP3-Mosaik könnte 30-60 % der Patienten mit negativem konventionellem Gentest erklären. Einige Patienten mit dem klassischen Phänotyp von MWS, FCAS oder CINCA-Syndrom weisen möglicherweise keine Mutationen im NLRP3-Gen auf.
Die Vererbung ist autosomal-dominant mit variabler Ausprägung innerhalb einer Familie und von einer Familie zur anderen.
Aktualisiert am: Juli 2014
: erstellt/empfohlen von ERN
: erstellt/empfohlen von FSMR
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