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MERRF
Eine seltene mitochondriale Störung der oxidativen Phosphorylierung, die durch myoklone Anfälle, Ataxie, generalisierte Epilepsie, Muskelschwäche und gezackte rote Fasern in der Muskelbiopsie gekennzeichnet ist.
ORPHA:551
Die Prävalenz in der europäischen Allgemeinbevölkerung liegt zwischen 1/256.000 -67.000 in der erwachsenen Bevölkerung und die Geburtsprävalenz wird mit 1/202.000 in Schweden angegeben.
Die Patienten stellen sich in der Regel im Jugend- oder frühen Erwachsenenalter mit einer Myoklonus-Epilepsie, manchmal mit neurosensorischer Taubheit, Optikusatrophie, Kleinwuchs oder peripherer Neuropathie vor. In einigen wenigen Fällen wurden Lipomatose, Kardiomyopathie, Pigmentretinopathie, Ophthalmoparese und/oder Pyramidenzeichen beobachtet. Die Krankheit ist progressiv und führt zu einer Verschlechterung der Epilepsie und zum Auftreten zusätzlicher Symptome wie Ataxie, Taubheit, Muskelschwäche und Demenz. Die Magnetresonanztomographie des Gehirns kann kortikale Atrophie, Kleinhirnatrophie, Basalganglienverkalkungen und Leukodystrophie zeigen. Die klinischen Manifestationen können zwischen Patienten aus derselben Familie und zwischen verschiedenen Familien stark variieren.
Das MERRF-Syndrom wird durch Mutationen in der mitochondrialen DNA verursacht. Über 80 % der Personen mit MERRF-Syndrom tragen die Mutation m.8344A>G im Lysin-Transfer-RNA (tRNA Lys)-Gen (MTTK). Andere Mutationen wurden in anderen RNA-Transfergenen oder im MTND5-Gen gefunden. Sie können mit dem MERRF/MELAS-Überlappungssyndrom in Verbindung gebracht werden, bei dem die Betroffenen ebenfalls an schlaganfallartigen Episoden leiden.
Die Diagnose eines MERRF-Syndroms beruht auf dem Nachweis abnorm erhöhter Laktatspiegel im Blut oder noch häufiger im Liquor oder der MRT-Hirnspektroskopie sowie auf die Muskelbiopsie, die das Vorhandensein von Cytochrom-c-Oxidase-negativen Muskelfasern und 'ragged red fibers' (rote, unregelmäßig begrenzte Muskelfasern) zeigt. Die biochemische Analyse des Muskels zeigt häufig einen Cytochrom-c-Oxidase-Mangel oder einen kombinierten Atmungskettendefekt. Genetische Untersuchungen zeigen in der Regel eine heteroplasmatische (Koexistenz der mutierten Form mit einer Restpopulation von Wildtyp-DNA) Variante in der mitochondrialen DNA. Der Anteil der Mutation kann in den verschiedenen Geweben sehr unterschiedlich sein. Beim MERRF-Syndrom ist dieser Anteil jedoch meist sehr hoch (über 90 %) in allen Geweben, so dass die Mutation auch im Blut leicht nachgewiesen werden kann.
Die Differentialdiagnose umfasst andere Syndrome, die durch progressive myoklonische Epilepsie und Ataxie gekennzeichnet sind, darunter die Unverricht-Lundborg-Krankheit, die Lafora-Krankheit, die neuronale Ceroidlipofuszinose und die Sialidose.
Die Möglichkeit eines heterogenen Anteils der Mutation in den verschiedenen Geweben erschwert theoretisch die pränatale Diagnose.
Die Heteroplasmie macht die genetische Beratung beim MERRF-Syndrom sehr mühsam. Mitochondriale DNA-Mutationen werden durch mütterliche Vererbung weitergegeben. Ein betroffener Mann kann die Krankheit nicht weitergeben. Die Mutation wird in der mütterlichen Linie weitergegeben, aber ihr Anteil ist nicht vorhersehbar. Obwohl ein höherer Anteil der Mutation im Blut der Mutter zu einem höheren Risiko führt, ein Kind mit einem schweren Phänotyp zu bekommen, gibt es viele Beispiele für eine extreme Segregation der Mutation von der Mutter auf das Kind, die eine effiziente genetische Beratung auf individueller Ebene verhindern.
Wie bei anderen mitochondrialen Enzephalomyopathien gibt es auch beim MERRF-Syndrom keine spezifische Behandlung. Krampfanfälle können mit konventionellen Antikonvulsiva behandelt werden, aber Valporinsäure sollte vermieden werden (vor allem, wenn die Ursache der mitochondrialen Epilepsie eine patnogene Variante im POLG-Gen ist) oder mit Vorsicht verabreicht werden. In Ermangelung geeigneter klinischer Studien ist es schwierig, die Wirkung der vorgeschlagenen unterstützenden Behandlungen wie Coenzym Q10 und sein Analogon Idebenon, Carnitin usw. zu bewerten.
Die Prognose für Patienten mit MERRF-Syndrom ist aufgrund des fortschreitenden Charakters der Krankheit insgesamt schlecht. Der Schweregrad variiert jedoch stark, und einige Patienten, vor allem solche mit nicht-zerebralen Symptomen, können relativ lange überleben und nur geringe Beeinträchtigungen aufweisen.
Aktualisiert am: Januar 2023 - Gutachter : Pr Michelangelo MANCUSO | EURO-NMD*
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