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Serotonin-Syndrom
Eine seltene neurologische Erkrankung, die durch einen Überschuss an Serotonin im zentralen Nervensystem gekennzeichnet ist und mit der Einnahme verschiedener Wirkstoffe in Verbindung gebracht wird, darunter selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und Stimulanzien für die Freizeit.
ORPHA:43116
Klassifizierungsebene: Störung
Prävalenz: Unbekannt
Erbgang: Nicht anwendbar
Manifestationsalter: Alle Altersgruppen
Die Prävalenz in Europa ist nicht bekannt.
Das Serotonin-Syndrom kann zu Muskelsteifigkeit, Myoklonus, Unruhe, Verwirrung, Hyperthermie, Hyperreflexie sowie dysautonomischen Symptomen führen, mit dem Risiko eines Schocks mit niedrigem peripheren Gefäßwiderstand, Krampfanfällen, Koma, Rhabdomyolyse und/oder disseminierter intravaskulärer Gerinnung (DIC).
SSRI und Monoaminoxidase-Inhibitoren (MAOI) können in toxischen, aber auch in therapeutischen Konzentrationen für dieses Syndrom verantwortlich sein. Das Syndrom kann auftreten: einige Stunden bis einige Tage nach Beginn der Behandlung, nach gleichzeitiger Kombination (Gegenanzeige) von MAOIs-A (Toloxaton, Moclobemid) und SSRIs oder nach aufeinanderfolgender Kombination mit zu kurzem tablettenfreiem Intervall, als Folge von Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln oder in einigen Fällen von akuter Vergiftung. Die individuelle Anfälligkeit und der Schweregrad der klinischen Auswirkungen lassen sich durch interindividuelle pharmakokinetische und pharmakodynamische Unterschiede erklären. Verschiedene Stimulanzien für den Freizeitgebrauch, darunter Amphetamine (insbesondere MDMA), synthetische Cathinone und Cannabinoide, sind ebenfalls zunehmend betroffen.
Die Diagnose basiert auf der klinischen Untersuchung und einer entsprechenden Anamnese. Zusätzliche Untersuchungen (Elektrokardiogramm, Laboruntersuchungen, toxikologische Analysen, Elektroenzephalogramm) sind unerlässlich, da die klinischen Symptome nicht spezifisch sind. Akute infektiöse, neurologische oder metabolische Erkrankungen sollten zunächst ausgeschlossen werden.
Zu den toxikologischen Differentialdiagnosen gehören das neuroleptische maligne Syndrom, adrenerge oder anticholinerge Syndrome sowie das Alkoholentzugssyndrom.
Die Behandlung ist hauptsächlich unterstützend und basiert auf Sedierung (Benzodiazepine), mechanischer Beatmung und, falls erforderlich, neuromuskulärer Blockade. Im Falle einer malignen Hyperthermie ist eine Kühlung des Körpers zwingend erforderlich. Dantrolen hat sich als unwirksam erwiesen. Cyproheptadin ist das spezifische Antidot für das Serotonin-Syndrom.
Die Prognose ist im Allgemeinen gut, wenn eine angemessene unterstützende Behandlung durchgeführt wird. Es wurde jedoch von Todesfällen berichtet, die auf Multiorganversagen oder Hirnanoxie zurückzuführen sind.
Aktualisiert am: Januar 2024 - Gutachter : Pr Bruno MÉGARBANE
: erstellt/empfohlen von ERN
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