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Mittelketten-Acyl-CoA-Dehydrogenase-Mangel

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Krankheitsdefinition

Der Mittelketten-Acyl-CoA-Dehydrogenase (MCAD)-Mangel (MCADM) ist ein angeborener Stoffwechseldefekt der mitochondrialen Fettsäureoxidation. Kennzeichnend sind schnell progrediente Stoffwechselkrisen mit hypoketotischer Hypoglykämie, Lethargie, Erbrechen, Krampfanfällen und Koma, die ohne notfallmedizinische Intervention einen letalen Verlauf nehmen können.

ORPHA:42

Klassifizierungsebene: Störung

Synonym(e):
  • ACADM-Mangel
  • MCAD-Mangel
  • MCADD
  • Sekundärer Carnitin-Mangel durch Mittelketten-Acyl-CoA-Dehydrogenase-Mangel

Quelle: PubMed ID 36300606 37660571 34266901

Prävalenz: 1-9 / 100 000

Erbgang: Autosomal-rezessiv

Manifestationsalter: Kleinkindalter, Neugeborenenzeit

ICD-10: E71.3

ICD-11: 5C52.01

OMIM: 201450

UMLS: C0220710

MeSH: C536038

GARD: 540

MedDRA: 10072654

Zusammenfassung
Epidemiologie

Die Prävalenz des MCADM bei der Geburt reicht in europiden Populationen vermutlich von 1/4,900 bis 1/27,000 und ist am höchsten in der nordeuropäischen Bevölkerung. Weltweit beträgt die Prävalenz bei Geburt 1/14.600.

Klinische Beschreibung

Der MCADM wird in der Regel bei zunächst gesunden Kindern im Alter von 3 bis 24 Monaten manifest. Gut dokumentiert sind aber auch Fälle mit Beginn bei Neugeborenen und Erwachsenen, bei letzteren nach starkem metabolischen Stress, z.B. erheblichem Alkoholgenuss. Viele Träger des Defektes bleiben lebenslang frei von Symptomen. Auslöser der hypoketotischen Hypoglykämie, der Lethargie und des Erbrechens sind Infekte, Fasten und chirurgische Eingriffe. Einige Patienten können trotz Ketose und normalem Blutzuckerspiegel eine progrediente Stoffwechselkrise manifestieren. Selten haben Patienten während der Krise eine ''paradox'' schwere Ketose. Symptome während einer Krise sind Lethargie, Erbrechen, Krampfanfälle und Hepatomegalie. Ohne Notfallbehandlung ist ein schnelles Fortschreiten bis zum Atemstillstand und Herzstillstand möglich. Während dieser Episoden ist eine Hirnschädigung mit dem langfristigen Risiko neurologischer Ausfälle möglich. Manchmal ist ein ungeklärter plötzlicher Tod das erste Symptom der Krankheit. In der Vergangenheit starben etwa 25% der noch nicht diagnostizierten Patienten in der ersten metabolischen Krise.

Ätiologie

Ursache des MCADM sind Mutationen im ACADM-Gen (1p31), das für das mitochondriale MCAD-Protein kodiert. Vor Beginn des Neugeborenenscreenings trugen etwa 80% der klinisch diagnostizierten Patienten die Mutation c.985A>G / p.(Lys329Glu). Seither ist eine große Zahl weiterer ACADM-Mutationen gefunden worden

Diagnostische Verfahren

Zur Diagnose führen die charakteristisch abnormen Metabolitenmuster im Blut auf der Filterpapierkarte (Plasma-Acylcarnitine: C6 und C8 vermehrt, C8/C10-Verhältnis erhöht) und die organischen Säuren im Urin (C6-C10-Dicarboxylsäuren, Hexanoylglyzin und Suberylglyzin). Durch Mutationsanalyse wird die Diagnose gesichert. In vielen europäischen Ländern (z.B. Großbritannien, Deutschland, Niederlande, Portugal, Spanien) ist der MCADM Teil des Neugeborenenscreenings.

Differentialdiagnose

Differentialdiagnosen sind andere Störungen der mitochondrialen Fettsäureoxidation, einschließlich des Multiplen Acyl-CoA-Dehydrogenase-Mangels (MADD; s. dort).

Genetische Beratung

Der MCADM wird autosomal-rezessiv verebt. Den betroffenen Familien soll eine genetische Beratung angeboten werden.

Management und Behandlung

Oberstes Gebot ist das strikte Vermeiden von Fasten. Mittelkettige Triglyzeride sollten vermieden werden, weitere diätetische Einschränkungen sind nicht erforderlich. Informationen für sichere Zeitintervalle zwischen den Mahlzeiten sind für Säuglinge und Kleinkinder verfügbar. Noch umstritten ist eine niedrigdosierte Carnitin-Supplementierung bei Patienten mit absinkendem Carnitin-Blutspiegel. Patienten während Krisen erhalten einfache Kohlehydrate per os (Glukosetabletten) oder i.v., bis der Blutzuckerspiegel stabil oberhalb 5 mmol/L verbleibt. Bei Auftreten von Infekten muss eine Notfallbehandlung bereitgehalten werden. Bei Dekopensation ist sofortige ärztliche Anwesenheit erforderlich. Künstliche Süßstoffe müssen vermieden werden.

Prognose

Patienten mit bekannter Diagnose haben eine exzellente Prognose, wenn Fasten vermieden wird und sie während interkurrenten Erkrankungen / metabolischen Krisen angemessen behandelt werden.

Aktualisiert am: Februar 2014 - Gutachter : Dr Simon OLPIN
Für diese Krankheit ist eine Kurzbeschreibung in den folgenden Sprachversionen verfügbar: English, Français, Español, Italiano, Português, Nederlands Suomi, Polski, Ελληνικά, Slovenčina, Русский
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