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Huntington-Krankheit

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Krankheitsdefinition

Die Huntington-Krankheit (HD) ist eine seltene neurodegenerative Erkrankung des Zentralnervensystems mit unwillkürlichen choreatischen Bewegungen, Verhaltensauffälligkeiten, psychiatrischen Störungen und dementivem Abbau.

ORPHA:399

Klassifizierungsebene: Störung

Synonym(e):
  • Chorea Huntington

Quelle: PubMed ID 34413240 17240289 20301482

Prävalenz: 1-9 / 100 000

Erbgang: Autosomal-dominant

Manifestationsalter: Jugendalter, Erwachsenenalter, Kindesalter, Ältere Erwachsene

ICD-10: G10

ICD-11: 8A01.10

OMIM: 143100

UMLS: C0020179

MeSH: D006816

GARD: 6677

MedDRA: 10070668

Zusammenfassung
Epidemiologie

Schätzungen der Prävalenz in europäischen Bevölkerungen liegen zwischen 1:10.000 und 1:20.000. Die Symptome beginnen im Alter von 30-50 Jahren. In einigen Fällen beginnt die Krankheit vor dem 20. Lebensjahr mit Verhaltensstörungen und Lernschwierigkeiten in der Schule (Juvenile Huntington-Krankheit, JHD; s. dort).

Klinische Beschreibung

Das klassische Symptom ist die Chorea, die sich fortschreitend auf alle Muskeln ausbreitet. Ungewollte Bewegungen, die den Tics beim Tourette-Syndrom (s. dort) ähneln, sind eher selten. Sporadisch können zerebelläre Symptome ähnlich der Hypo- und Hypermetrie auftreten. Dystonie (z.B. Torticollis) kann das erste motorische Symptom der HD sein. Weniger bekannte, aber nicht seltene und oft invalidisierende Symptome der HD sind ungewollter Gewichtsverlust, Schlafstörungen, gestörter Tagesrhythmus und vegetative Dysfunktion. Im Verlauf der Krankheit treten Dysarthrie und Dysphagie in den Vordergrund. Sprechen und Schlucken werden zunehmend schwierig, sodass einige Patienten dauernd würgen müssen. Bei allen Patienten entwickeln sich Hypokinese und Rigor, die in Bradykinesie und schwere Akinesie übergehen. Alle psychomotorischen Prozesse werden im Verlauf stark eingeschränkt, und die Patienten erleiden einen kognitiven Abbau. Psychiatrische Symptome sind im Anfangsstadium der HD häufig und treten oft vor den motorischen Symptomen auf. Zwischen 33% und 76% der Patienten leiden unter geringen Selbstwertgefühl, Schuldgefühlen, Angst und Apathie. Das Suizidrisiko ist erhöht bei Patienten im frühen Krankheitsstadium (wenn die Unabhängigkeit abzunehmen beginnt) und bei noch symptomfreien Genträgern (im Zusammenhang mit dem Gentest).

Ätiologie

Ursache der HD sind verlängerte CAG-Repeats (mit 36 oder mehr CAG-Triplets) im Huntingtin-Gen (HTT; 4p16.3). Mit zunehmender Repeatlänge nimmt das Erkrankungsalter ab, in Fällen von JHD enthält der Repeat oft mehr als 55 Triplets.

Diagnostische Verfahren

Zur Diagnose führen die klinischen Symptome eines Patienten mit einem gesichert an HD erkrankten Elternteil. Durch DNA-Analyse wird die Diagnose bestätigt. Eine präklinische Diagnostik wegen HD-Risiko soll nur bei Erwachsenen, nur auf deren persönlichen Wunsch und nur im Rahmen einer genetischen Beratung unter Begleitung durch ein multidisziplinäres Team erfolgen.

Differentialdiagnose

Differentialdiagnosen sind andere Ursachen einer Chorea bei inneren oder iatrogenen Krankheiten. Phänokopien (klinisch diagnostizierte HD ohne HTT-Mutation) wurden beschrieben.

Pränataldiagnostik

Die HD wird autosomal-dominant vererbt. Eine vorgeburtliche Diagnostik nach Chorionbiopsie oder Amniozentese ist möglich. In mehreren Ländern wird eine Präimplantationsdiagnostik mit In vitro-Fertilisation angeboten.

Genetische Beratung

HD wird autosomal-dominant vererbt.

Management und Behandlung

Eine kurative Behandlung gibt es bisher nicht. Die Patienten müssen multidisziplinär mit dem Ziel einer verbesserten Lebensqualität betreut werden. Die choreatische Bewegungsstörung wird mit Dopaminrezeptor-blockierenden (Risperidon, Tiaprid, Pimozid) oder Dopamin-verarmenden Agentien (Tetrabenazin) behandelt. Depression und aggressives Verhalten erfordern medikamentöse und nicht-medikamentöse Behandlung.

Prognose

Im Verlauf der Krankheit verlieren die Patienten vollständig ihre Unabhängigkeit für tägliche Verrichtungen und müssen dann rund um die Uhr versorgt werden. Die häufigsten Todesursachen sind Pneumonie und Suizid.

Aktualisiert am: Januar 2011 - Gutachter : Pr R.A.C. [Raymund] ROOS
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