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Propionazidämie

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Krankheitsdefinition

Die Propionazidämie (PA) ist eine Organische Azidurie mit fehlender Aktivität der Propionyl- Coenzym A(CoA)-Carboxylase. Kennzeichnend sind lebensbedrohliche Krisen durch Stoffwechselentgleisung, neurologische Ausfälle und Kardiomyopathie.

ORPHA:35

Klassifizierungsebene: Störung

Synonym(e):
  • Glycinämie, ketotische
  • Propionazidurie
  • Propionyl-CoA-Carboxylase-Mangel

Prävalenz: 1-9 / 1 000 000

Erbgang: Autosomal-rezessiv

Manifestationsalter: Kleinkindalter, Neugeborenenzeit

ICD-10: E71.1

ICD-11: 5C50.E0

OMIM: 606054

UMLS: C0268579

MeSH: D056693

GARD: 467

Zusammenfassung
Epidemiologie

Die Prävalenz bei Geburt liegt weltweit bei etwa 1:100.000. Eine höhere Pravalenz wurde in einigen Regionen Saudi-Arabiens gefunden.

Klinische Beschreibung

Die Propionazidämie wird in folgende Formen eigeteilt: (i) Schwere Form mit Beginn im Neugeborenenalter, (ii) intermittierende Form mit spätem Beginn und (iii) chronisch-progrediente Form. Kinder mit der schweren neonatalen Form manifestieren innerhalb mehrerer Stunden bis Wochen nach der Geburt Symptome einer metabolischen Intoxikation (schlechte Nahrungsaufnahme, Erbrechen, Bewusstseinsstörung) und eine Panzytopenie. Patienten mit der intermittierenden, spät beginnenden Form zeigen nach 1 Jahr oder noch später im Leben durch katabolen Stress (Fieber, Erbrechen, Trauma) ausgelöste Episoden mit dekompensiertem Stoffwechsel. Möglich sind auch durch Infarkt der Basalganglien ausgelöste neurologische Krisen mit Dystonie, Rigidität, Chroreoathetose und Demenz. Symptome der Patienten mit der chronisch-progredienten Form sind Gedeihstörung, chronisches Erbrechen, psychomotorische Retardierung, Muskelhypotonie, zerebrale Krämpfe und Bewegungsstörungen. Bekannte Komplikationen der PA sind: Intellektuelle Beeinträchtigung, Optikusneuropathie, Kardiomyopathie, Long QT-Syndrom, Pankreatitis, Dermatitis und Immundefekte.

Ätiologie

Ursache der PA sind Mutationen entweder im PCCA-Gen (13q32) oder im PCCB-Gen (3q21-q22). Diese Gene kodieren die α- und β-Untereinheiten der Propionyl-CoA-Carboxylase.

Diagnostische Verfahren

Im erweiterten Neugeborenenscreening wird die PA durch erhöhte Propionylcarnitin-Spiegel erkannt. Symptome der PA während der Krisen sind: Stoffwechselentgleisung mit Azidose, Ketose, verstärkte Anionenlücke, Hyperlaktatämie, Hyperglyzinämie, Hyperammonämie, Hypoglykämie und Zytopenien. Gaschromatographisch-massenspektrometrisch wird im Urin (auch zwischen den Krisen) mit 3-Hydroxypropionat, Methylcitrat, Propionylglycin und Propionylcarnitin ein charakteristisches Metabolitenmuster gefunden. Messung der Enzymaktivität oder molekulare Analyse der PCCA- oder PCCB-Gene bestätigt die Diagnose.

Differentialdiagnose

Differentialdiagnosen sind Neugeborenensepsis, andere branched chain organic acidurias, Pylorusstenose und andere, häufige Ursachen einer verstärkten Anionenlücke mit Azidose. Bei der infantilen chronischen Form können Gedeihstörung, chronisches Erbrechen und Neutropenie Kuhmilch-Intoleranz, Zoeliakie (s. diese Termini) und Immundefekte imitieren.

Pränataldiagnostik

Eine vorgeburtliche Diagnostik ist mögich durch (i) Messung der Carnitin-, Methylcitrat- und 3-Hydroxypropionat-Spiegel im Fruchtwasser, (ii) direkte Bestimmung der Enzymaktivität und (iii) molekulare Analyse in Familien mit bekannten Mutationen.

Genetische Beratung

Die PA wird autosomal-rezessiv vererbt.

Management und Behandlung

In einer Stoffwechselkrise muss schon vor der Bestätigung der Diagnose mit der Behandlung begonnen werden: Zentrales Ziel ist die Umkehr des Katabolismus durch (i) Beenden der Proteinaufnahme und (ii) Zufuhr von Nichtprotein-Kalorien über i.v.-Infusionen. Die Hyperammonämie wird behandelt mit Gaben von Natrium-Benzoat, Carbamyl-Glutamat oder durch Hämodialyse. Unerlässlich für die Langzeittherapie ist ein valides Management der protein-reduzierten Ernährung. Das Wachstum ist regelmäßig zu kontrollieren. Supplementierung mit Carnitin unterstützt die Entgiftung. Durch Vermeidung von Stoffwechselentgleisungen und schnellen Beginn der Standardtherapie von Krisen kann die intellektuelle Entwicklung unterstützt werden.

Prognose

Frühe Diagnose und Behandlung haben die Mortalität im ersten Lebensjahr reduziert und auch im frühen und mittleren Kindesalter die Überlebenschancen verbessert. Die Morbidität in Form eingeschränkter kognitiver Entwicklung bleibt jedoch noch hoch. Ob die Prognose durch Lebertransplantation im frühen Kleinkindalter verbessert werden kann, ist Gegenstand laufender Untersuchungen.

Aktualisiert am: Februar 2014
Für diese Krankheit ist eine Kurzbeschreibung in den folgenden Sprachversionen verfügbar: English, Français, Español, Italiano, Português, Nederlands Suomi, Polski, Русский
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