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Mittelmeerfieber, familiäres

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Krankheitsdefinition

Das Familiäre Mittelmeer-Fieber (FMF) ist eine auto-inflammatorische Erkrankung und gekennzeichnet durch rezidivierende Episoden von Fieber und Serositis mit Schmerzen im Abdomen, im Thorax und in den Gelenken und Muskeln. Das FMF wird primär im südöstlichen Bereich des Mittelmeeres gefunden.

ORPHA:342

Klassifizierungsebene: Störung

Synonym(e):
  • FMF
  • Periodische Krankheit
  • Peritonitis, benigne paroxysmale
  • Polyserositis, benigne rekurrierende
  • Polyserositis, paroxysmale, familiäre Form

Quelle: PubMed ID 9325049 37298536 24424166

Prävalenz: 1-5 / 10 000

Erbgang: Autosomal-dominant, Autosomal-rezessiv

Manifestationsalter: Jugendalter, Erwachsenenalter, Kindesalter, Kleinkindalter

ICD-10: E85.0

ICD-11: 4A60.0

OMIM: 134610 249100

UMLS: C0031069

MeSH: D010505

GARD: 6421

MedDRA: 10016207

Zusammenfassung
Epidemiologie

Bevölkerungen mit hoher Prävalenz der Erkrankung (1:200-1:1.000) sind Nicht-Ashkenazi-Juden, Türken, Armenier und Araber. Nicht selten ist die Krankheit in Italien, Griechenland und Spanien.

Klinische Beschreibung

Die Krankheit beginnt in der Regel vor dem 30. Lebensjahr, ein früherer Beginn ist ist mit einer schwereren Symptomatik verbunden. Beim FMF können 2 Typen unterschieden werden. Der Typ 1 ist gekennzeichnet durch Attacken (ein Mal wöchentlich oder alle paar Jahre) von Fieber und Serositis, die 1 bis 4 Tage dauern und spontan abklingen. Mögliche Auslöser dieser Attacken sind Stress, Kälteexposition, fettreiche Mahlzeiten, Infektionen, einige Medikamente und Menstruation. Leichte Symptome (Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Dyspnoe, Arthralgie, Kreuzschmerzen, Asthenie und Angst) gehen den Attacken voraus und dauern etwa 17 Stunden. Die Attacken äußern sich mit Fieber (38-40°C über 12-72 Stunden, das nicht auf Antibiotika anspricht), mit diffusen oder lokalisierten Leibschmerzen, Obstipation (bei Kindern Diarrhoe), Gelenkschmerzen, Arthritis (in den oberen/unteren Gliedmassen oder Kniegelenken) und mit durch Pleuritis und/oder Perikarditis verursachten Thoraxschmerzen. Bei 7-40 % der Patienten bestehen auch Hautveränderungen. Eine mögliche schwerwiegende langfristige Komplikation ist eine Amyloidose Typ AA. Als Typ 2 des FMF wird ein Phänotyp mit Amyloidose als erstem und einzigem Zeichen beschrieben.

Ätiologie

Bisher wurden 218 Mutationen im MEFV-Gen (16p13) beschrieben. Das Gen kodiert für das Protein Pyrin/Marenostrin. Die unterschiedlichen Mutationen bestimmen die phänotypischen Unterschiede (homozygote M694V-Mutation sind mit schwererem Verlauf verbunden). Mit weiteren Ursachen ist zu rechnen, da nicht alle Patienten eine Mutation im MEFV-Gen tragen.

Diagnostische Verfahren

Die Tel-Hashomer-Kriterien verlangen für die Diagnose, dass zwei große Kriterien (Fieber und Serositis, Amyloidose AA, Wirksamkeit von Kolchizin) und zwei kleine Kriterien (rezidivierende Fieber-Attacken, erysipel-ähnliches Erythem, Verwandte mit FMF) vorhanden sind. Der positive Voraussagewert einer genetischen Analyse beträgt nur 70-80%.

Differentialdiagnose

DD sind Hyper-IgD-Syndrom (HIDS), TRAPS, PFAPA-Syndrom, Transthyretin-abhängige -Amyloidose und Behcet-Krankheit.

Pränataldiagnostik

Das FMF wird autosomal-rezessiv vererbt. Eine vorgeburtliche Diagnostik ist möglich.

Genetische Beratung

Den Eltern mit MEFV-Mutation soll eine genetische Beratung angeboten werden.

Management und Behandlung

Kolchizin (oral oder i.v.) ist das Medikament zur Behandlung des FMF. Es eliminiert die FMF-Attacken und verhindert das Auftreten einer Amyloidose Typ AA. Die Dosierung reicht von 0.03 mg/kg Körpergewicht/Tag bis zu einem Maximum von 3 mg/Tag und muss lebenslänglich regelmäßig eingenommen werden. Während einer Attacke können nicht-steroidale Antirheumatika verordnet werden. Für Patienten, die Kolchizin nicht vertragen, gibt es keine gleich wirksame Alternative, es wurden aber bei einigen Patienten ermutigende Ergebnisse mit Anakinra, Interferon-alpha und selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Inhibitoren (SSRIs) erzielt. Zur Vermeidung einer Amyloidose sollen die Patienten jährlich untersucht und ihr Serum-Amyloid A-Protein (SAA) kontrolliert werden. Kolchizin kann eine B 12-Malabsorption verstärken und in seltenen Fällen Alopezie und Knochenmarkinsuffizienz verursachen. Wegen der Möglichkeit fataler Toxizität sollen bei der Behandlung mit Kolchzin Makrolide, Diltiazem, Grapefruit und Cyclosporin gemieden werden. Renale Amyloidose macht evtl. Dialyse und Organtransplantation erforderlich.

Prognose

Die FMF kann nicht geheilt werden, aber die Behandlung mit Kolchizin verbessert die Lebensqualität der Patienten. Ohne Behandlung oder bei renaler Amyloiddose ist die Prognose weniger günstig.

Aktualisiert am: Januar 2012 - Gutachter : Pr Raffaele MANNA
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