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Tachykardie, katecholaminerge polymorphe ventrikuläre
Eine schwere genetisch bedingte Arrhythmie des strukturell normalen Herzens, die durch Katecholamin-induzierte ventrikuläre Tachykardie (VT) gekennzeichnet ist und sich bei jungen Menschen als Synkope oder plötzlicher Herztod in Erscheinung tritt.
ORPHA:3286
Klassifizierungsebene: Störung
- Polymorphe ventrikuläre Tachykardie induziert durch Katecholamine
- Bidirektionale katecholaminerge Tachykardie
- CPVT
- Tachykardie, maligne paroxysmale ventrikuläre
Prävalenz: 1-5 / 10 000
Erbgang: Autosomal-dominant, Autosomal-rezessiv
Manifestationsalter: Jugendalter, Erwachsenenalter, Kindesalter
Die Prävalenz der katecholaminergen polymorphen ventrikulären Tachykardie (CPVT) wird auf 1/10.000 geschätzt. Die CPVT tritt typischerweise im Alter zwischen 7 und 15 Jahren auf und beide Geschlechter sind gleichermaßen betroffen.
Synkopale Anfälle nach körperlicher Belastung oder plötzlicher Emotion sind häufig das erste Symptom. In 10-20% der Fälle ist plötzlicher Herztod das Erstsymptom. Typische Arrhythmieformen bei CPVT sind die bidirektionale ventrikuläre Tachykardie und, seltener, die supraventrikuläre Tachykardie mit Vorhofflimmern.
Die Störung ist genetisch heterogen; in 70% der Fälle ist das Gen für den kardialen Ryanodinrezeptor (RYR2, 1q43) für einen autosomal-dominanten Erbgang verantwortlich. Mutationen im kardialen Calsequestrin-Gen (CASQ2, 1p13.1) führen bei 2-5 % der Patienten zu einer autosomal-rezessiven Form der CPVT und können in seltenen Fällen eine autosomal-dominante CPVT verursachen. Noch seltener sind die folgenden Gene in die Pathogenese involviert: TECRL (4q13.1), CALM1 (14q32.11) und TRDN(6q22.31).
Bei Personen mit Tachykardie in der Familienanamnese oder mit plötzlichem Herztod oder Synkopen, die durch Aufregung oder körperliche Anstrengung ausgelöst wurden, sollten ein Belastungstest und eine Langzeit-EKG durchgeführt werden. Wegen der Reproduzierbarkeit von Herzrhythmusstörungen ist ein abgestufter Belastungstest von großer diagnostischer Bedeutung. Holter-Monitoring ist auch in den selteneren Fällen angezeigt, in denen akute Emotionen einen stärkeren Auslöser darstellen. Das Ruhe-EKG ist in der Regel unauffällig. Die kardiale Bildgebung (Echokardiogramm und MRT) ist unauffällig.
Die wichtigsten Differentialdiagnosen sind das Long-QT-Syndrom (LQTS), die Arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie (ARVC) und das Andersen-Tawil-Syndrom.
Eine pränatale Diagnostik kann Familien mit einer bekannten krankheitsverursachenden Mutation angeboten werden, insbesondere wenn diese mit einer hohen Penetranz und einem hohen Letalitätsrisiko einhergeht.
Ein Screening auf RYR2- und CASQ2-Mutationen ist bei allen Patienten mit bestätigter oder vermuteter CPVT indiziert. Ein Screening auf TECRL-, CALM1- und TRDN-Mutationen kann als Zweitlinienanalyse in Betracht gezogen werden. Je nach identifizierter Mutation sollte den betroffenen Familien eine entsprechende genetische Beratung angeboten werden.
Allen CPVT-Patienten sollten Änderungen des Lebensstils empfohlen werden, z. B. Einschränkung der körperlichen Aktivität, Vermeidung starker Emotionen und stressiger Umgebungen. Betablocker (BB; insbesondere Nadolol) sind die erste Behandlungsoption für Patienten mit CPVT und sollten in der maximal verträglichen Dosis verabreicht werden, um Arrhythmien zu kontrollieren. Flecainid, ein Natriumkanalblocker, kann bei Patienten mit BB-resistenten Arrhythmien in Betracht gezogen werden. Ein implantierbarer Kardioverter-Defibrillator (ICD) wird für Patienten mit CPVT empfohlen, die einen Herzstillstand überlebt haben, sowie für Patienten, bei denen trotz optimaler medizinischer Behandlung wiederkehrende Synkopen oder persistierende Arrhythmien auftreten.
Obwohl die CPVT eine schwere Erkrankung ist, die unbehandelt eine hohe Sterblichkeitsrate aufweist, können eine frühzeitige Diagnose und eine angemessene Behandlung die Lebenserwartung deutlich erhöhen. Eine Änderung des Lebensstils in Verbindung mit einer optimalen medikamentösen Therapie und einer ICD-Implantation bei Patienten mit rezidivierenden Symptomen lässt eine günstige Prognose erwarten.
Aktualisiert am: Januar 2021 - Gutachter : Pr Silvia PRIORI
: erstellt/empfohlen von ERN
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