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Phäochromozytom-Paragangliom-Syndrom, hereditäres
Die Hereditären Paragangliome-Phäochromozytome (PGL/PCC) sind seltene neuroendokrine Tumoren, die als Paragangliome (in beliebigen Paraganglien zwischen Schädelbasis und Beckenboden) und als Phäochromozytome (Nebennierenmark-Paragangliome; s. dort) in Erscheinung treten.
ORPHA:29072
Die Hereditären PGL/PCCs machen 30% aller PGL/PCC aus. Deren Prävalenz beträgt etwa 1:500.000 für PCC und 1:1.000.000 für PGL.
PGLs sind entweder hypersekretorisch (Katecholamine) oder nichtsekretorisch. PCCs sezernieren in der Regel Katecholamine. Sezernierende (sympathische) PGLs liegen überwiegend im Bereich des Thorax, des Abdomens und des Beckens. Hypersekretion wird als anhaltende oder paroxysmale Erhöhung des Blutdrucks, durch Kopfschmerzen, episodische massive Schweißausbrüche, Herzklopfen, Blässe und Besorgnis oder Angst manifest. Symptome von PGLs der Harnblase sind schmerzlose Hämaturie und Blutdruckanstieg nach dem Wasserlassen. Nichtsezernierende (parasympathische) PGLs liegen vorwiegend im Kopf und Hals. Sie fallen als wachsende Tumoren auf, die entweder symptomfrei sind oder einseitigen Hörverlust, pulsatilen Tinnitus, Husten, rauhe Stimme, Völlegefühl im Gaumen, Schluckbeschwerden, Schmerzen und/oder eingeschränkte Beweglichkeit der Zunge verursachen. Es gibt keine gesicherten Hinweise auf Malignität, die in einer Häufigkeit von etwa 15% auftritt. Selten besteht eine Assoziation mit Stromatumoren des Magens oder mit Nierenzellkrebs.
Bis zu 10% der genetisch determinierten PCC/PGLs sind durch eine Keimbahnmutation in einem der folgenden SDHx-Gene verursacht: SDHD (11q23), SDHC (1q21), SDHB (1p36.1-p35), SDHA (5p15) und SDHAF2/SDH5 (11q31.1). Die Vererbung ist autosomal-dominant. Da die Gene SDHD und SDHAF2 einen mütterlichem Imprint haben, werden Mutationen in diesen Genen nur vom Vater vererbt. Die Penetranz hängt vom beteiligten Gen, vom Alter des Patienten und vom Ort des Tumors ab. Tumoren von Patienten mit SDHB-Mutationen entarten häufiger maligne als Tumoren bei Patienten mit Mutationen in den anderen SDHx-Genen.
Zur Diagnose führen die klinische Untersuchung und die Familienanamnese. An Erblichkeit lassen frühes Erkrankungsalter, das Vorhandensein beidseitiger extra-adrenaler oder multipler Tumoren oder Malignität denken. Die Tumore werden mit bildgebenden Verfahren (MRI, CT) nachgewiesen. Eventuell finden auch funktionelle bildgebende Verfahren (Szintigraphie, PET) Anwendung. Zu den Laboruntersuchungen gehören die Bestimmung der freien Katecholamine im Plasma oder die Fraktionierung der Katecholamine im 24-Stunden-Urin. Molekulargenetische Untersuchungen bestätigen die Diagnose.
Differentialdiagnosen sind: Nicht-heriditäres PCC/PGL (obwohl erbliche PCC/PGL eher im jungen Alter auftreten, multifokal, bilateral und rezidivierend sind oder mit multiplen synchronen Neoplasmen auftreten), PCC/PGL, assoziiert mit anderen erblichen Erkrankungen (Neurofibromatose Typ 1, von Hippel-Lindau-Syndrom, Multiple endokrine Neoplasie Typ 2, Carney-Trias und Carney-Stratakis-Syndrom; s. diese Termini), und familiäres PCC im Gefolge von TMEM127-Mutationen.
Pränatale Diagnostik wird nicht empfohlen.
Bei Kindern mit einem Risiko, die Krankheit ererbt zu haben, sollen ab deren 6. Lebensjahr präsymptomatische Tests durchgeführt werden. Die Behandlung sezernierender Tumoren besteht in der Kontrolle des Blutdrucks mit Alpha-Blockern, gefolgt von Operation durch spezialisierte Teams. Wenn die Tumore noch nicht metastasiert sind, kann die chirurgische Resektion eine Heilung bedeuten. Nachuntersuchungen sind wegen des Risikos von Rezidiven oder maligner Entartung erforderlich, besonders bei Trägern von Mutationen im SDHB-Gen. Für das PGL des Kopfes und des Halses wird eine externe Radiotherapie empfohlen. Behandlungsoptionen bei Metastasierung sind Chemotherapie und gezielte Radiotherapie.
Die Krankheit kann letal enden, aber einige Patienten mit malignem PCC/PGL haben 20 Jahre oder mehr gelebt.
Aktualisiert am: September 2010 - Gutachter : Pr Anne-Paule GIMENEZ-ROQUEPLO
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