Wissen über seltene Krankheiten und Orphan Drugs
COVID-19 & Seltene Krankheiten
Informationen über seltene Krankheiten für Flüchtlinge/Vertriebene
Suche Krankheit
Pulmonale arterielle Hypertonie, Medikamenten- oder Toxin-induzierte
Die Medikamenten- oder Toxininduzierte pulmonal-arterielle Hypertonie (PAH) ist eine Form der pulmonal-arteriellen Hypertonie (PAH, siehe dort), die sekundär durch die Exposition gegenüber Medikamenten entsteht. Sie ist durch einen erhöhten pulmonal-arteriellen Widerstand gekennzeichnet, der zu Rechtsherzversagen führt. Die Medikamenten- oder Toxininduzierte PAH ist progressiv und potenziell tödlich.
ORPHA:275786
Klassifizierungsebene: Gruppe von Störungen
- PAH, Medikamenten- oder Toxin-induzierte
Prävalenz: -
Erbgang: Multigenetisch/Multifaktoriell
Manifestationsalter: Jugendalter, Erwachsenenalter, Kindesalter, Ältere Erwachsene
UMLS: C0340544
Im französischen Patientenregister liegt der Anteil von Medikamenten- oder Toxin-induzierter PAH bei 9,5 % aller PAH-Fälle. Die Prävalenz wird daher auf 1/700.000 Erwachsene geschätzt.
Die Krankheit zeigt einen ähnlichen klinischen Verlauf wie die idiopathische pulmonale arterielle Hypertonie (IPAH, siehe diesen Begriff). Zu den anfänglichen Symptomen gehören Dyspnoe, Müdigkeit, Synkope, Brustschmerzen, unproduktiver Husten und Hämoptyse. Zu den präkordialen Zeichen gehören ein lautes und tastbares zweites Herzgeräusch, ein rechtsventrikuläres Heben, ein pulmonales Auswurfgeräusch und Geräusche einer pulmonalen und trikuspidalen Regurgitation. In fortgeschrittenen Fällen zeigen die Patienten Ruhedyspnoe. In einigen Fällen wurde über einen plötzlichen Tod berichtet. 70 % der Patienten weisen eine Herzinsuffizienz auf (Klasse III oder IV nach New York Heart Association Functional Classification (NYHA FC)). Seltener können Trommelschlägelfinger, Aszites, Fußödem und Raynaud-Phänomen (meist bei Frauen) beobachtet werden.
Medikamenten- oder Toxininduzierte PAH kann durch eine Vielzahl von Medikamenten und Toxinen direkt induziert werden. Anorexigene Substanzen (Aminorex, Fenfluramin-Derivate (führen zu Herzklappenerkrankungen und sind potentielle Verursacher) und Benfluorex haben sich als Risikofaktoren für PAH erwiesen und wurden vom Markt genommen. Die durch Anorektika induzierte PAH tritt Monate bis Jahre nach der Behandlung auf. Der vermutete Mechanismus ist ein Anstieg des Serotoninspiegels, der nachweislich als Wachstumsfaktor für die glatten Muskelzellen der Lungenarterien wirkt. Amphetamine, Kokain, Phentermin und Mazindol werden ebenfalls als mögliche Risikofaktoren für PAH angesehen. Dasatinib, ein dualer Src/Abl-Kinase-Inhibitor, der zur Behandlung der chronisch-myeloischen Leukämie eingesetzt wird (siehe dort, wurde mit Fällen von schwerer PAH in Verbindung gebracht, die nach Absetzen des Medikaments zum Teil reversibel war. In jüngster Zeit wurden einige Fälle von PAH unter einer Interferon-Therapie berichtet, deren vermuteter Mechanismus mit einer endothelialen Dysfunktion in Verbindung gebracht wird. PAH kann eine seltene Komplikation anderer Medikamente sein, darunter: nasale Dekongestiva (z. B. Phenylpropanolamin), Nahrungsergänzungsmittel - L-Tryptophan, und Medikamente, die auf 5HT2B-Rezeptoren wirken könnten (z. B. Pergolid). Es konnten verschiedene Mutationen in PAH prädisponierenden Genen (hauptsächlich im BMPR2-Gen (2q33) und auch im ACVRL1(12q13), Endoglin(9q34), CAV1 (7q31), KCNK3(2p23), Smad9 (13q12) und TBX4 (17q21) bei Patienten mit Medikamentös oder Toxin-induzierter PAH identifiziert werden. Diese Gene sind als prädisponierende Faktoren bei familiären Formen der PAH (s.dort) bekannt und gehen einher mit autosomal-dominanten Erbgang bei unvollständiger Penetranz. Es wird angenommen, dass die Medikamenten- oder Toxinexposition dieser Patienten die Entwicklung der PAH begünstigt, bzw. als second hit wirkt.
Patienten, die eine medikamenten- oder toxininduzierte PAH entwickeln, sollten auf PAH-prädisponierende Mutationen untersucht werden.
Aktualisiert am: Januar 2015 - Gutachter : Pr David MONTANI
: erstellt/empfohlen von ERN
: erstellt/empfohlen von FSMR
Allgemeine Öffentlichkeit
Leitlinien
Übersichtsartikel
Weitere Informationen über diese Krankheit
Patientenorientierte Ressourcen für diese Krankheit
Relevante Forschungsaktivitäten
Neugeborenenscreening