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Methylmalonazidämie, Vitamin B12-resistente
Die Vitamin B12-resistente Methylmalonazidämie ist ein angeborener Defekt im Stoffwechsel des Vitamins B12 (Cobalamin) und gekennzeichnet durch rezidivierende ketoazidotische Krisen oder Episoden mit Erbrechen, Dehydratation, Muskelhypotonie und intellektuelles Defizit. Die Symptome sprechen nicht auf die Gabe von Vitamin B12 an. Zwei Typen der Vitamin B 12-resistenten Methylmalonazidämie werden unterschieden: mut0 und mut-.
ORPHA:27
Klassifizierungsebene: Störung
- Methylmalonazidurie, Vitamin B12-unabhängige
- Methylmalonyl-CoA-Mutase-Mangel
- Methylmalonyl-Coenzym A-Mutase-Mangel
Prävalenz: Unbekannt
Erbgang: Autosomal-rezessiv
Manifestationsalter: Kindesalter, Kleinkindalter, Neugeborenenzeit
Für alle Ursachen von MA wurde in Nordamerika eine Prävalenz von 1:48.000-1:61.000 und in China eine Prävalenz von 1:26.000 bestimmt. Die Vitamin B 12-resistente MA ist aber nur eine Untergruppe hiervon.
Patienten mit Vitamin B 12-resistente Methylmalonazidämie ohne Homozystinurie erkranken typisch sehr früh im Leben (<1-4 Wochen) mit den folgenden Symptomen: Lethargie, Gedeihsstörung, rezidivierendes Erbrechen, Dehydratation, Atemnot, Muskelhypotonie, Hepatomegalie und Koma. Symptome bei späterem Beginn sind verzögerte Entwicklung und intellektuelles Defizit. Die Patienten können auch Symptome einer (nicht megaloblastischen) Anämie zeigen. Mögliche Symptome sind lebensbedrohliche Ketoazidose und/oder Hyperammonämie, renale und neurologische Komplikationen, metabolischer stroke und Kardiomyopathie. Verläufe mit späterem Beginn und milderen Phänotyp wurden beobachtet, besonders bei Patienten der Gruppe mut-. Langfristige Konsequenzen sind neurologische Schäden durch metabolischen stroke und terminales Nierenversagen. Diese Komplikationen sind häufiger bei Patienten der Gruppe mut0 als bei Patienten der Gruppe mut-.
Die Vitamin B 12-resistente Methylmalonazidämie ohne Homozystinurie ist verursacht durch vollständigen (mut0) oder partiellen (mut-) Mangel der Aktivität des mitochondrialen Enzyms Methylmalonyl-CoA-Mutase. Dieser Mangel ist die Folge von Mutationen im MUT-Gen (6p21).
Die Diagnose basiert auf dem Befund einer erhöhten Konzentration von Methylmalonsäure im Blut und im Urin. Durch Tandem-Massenspektrometrie (MS/MS) wird eine erhöhte Konzentration von Propionylcarnitin und/oder ein erhöhtes Verhältnis Propionylcarnitin zu Acetylcarnitin gefunden. Durch biochemische Untersuchungen an Zellen oder durch molekulare Analyse kann die Diagnose bestätigt werden.
Differentialdiagnosen sind: Methylmalonazidämie mit Homozystinurie (s. dort) durch Defekte in cblC, cblD und cblF, die durch den Befund einer Megaloblasten-Anämie unterschieden wird, und die Vitamin B 12-sensible Methylmalonazidämie ohne Homozystinurie (s. dort) die in der Regel später im Leben (1 Monat bis 1 Jahr) beginnt. Die Komplementations-Analyse dient dem Nachweis, ob die Gruppe cbl oder mut beteiligt ist.
Eine vorgeburtliche Diagnostik ist im mittleren Trimenon möglich durch Messung des Methylmalonazidämie in der Amnionflüssigkeit oder im mütterlichen Urin, durch Bestimmung der Mutase-Aktivität und Untersuchung des Cobalamin-Stoffwechsels in kultivierten Amnionzellen oder, bei in der Familie bekannten ursächlichern Mutationen, durch molekulare Analyse.
Die Krankheit wird autosomal-rezessiv vererbt.
Die Patienten werden mit proteinarmer Diät behandelt. Diese Behandlung muss sofort nach dem Ende lebensbedrohlicher Symptome wie Ketoazidose oder Hyperammonämie beginnen. Auch orale Antibiotika können hilfreich sein. Bei einer kleinen Zahl von Patienten wurde die Lebertransplantation versucht. Bei den meisten dieser Patienten schützte sie aber nicht vollständig vor renalen und neurologischen Komplikationen.
Trotz Diätbehandlung bleiben die Patienten durch lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisungen gefährdet. Andere langfristige Komplikationen sind progrediente Niereninsuffizienz, metabolischer stroke und andere neurologische Symptome, sowie Kardiomyopathie. Im Vergleich zu mut--Patienten ist die Lebenserwartung von mut0-Patienten verringert.
Aktualisiert am: März 2012 - Gutachter : Dr David ROSENBLATT
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