Startseite > Seltene Krankheiten > Suche

Suche Krankheit

*
(*) Pflichtfeld

Acyl-CoA-Dehydrogenase-Mangel, multipler

Kommentar
Your message has been sent Your message has not been sent. Please contact an administrator.
Krankheitsdefinition

Der Multiple Acyl-CoA-Dehydrogenase (MAD)-Mangel (MADM) ist eine Störung der Fettsäure- und Aminosäureoxidation. Die Krankheit ist klinisch heterogen und reicht von schweren Symptomen im Neugeborenenalter (metabolische Azidose, Kardiomyopathie, Leberfunktionsstörung) bis zu leichten Symptomen bei Kindern/Erwachsenen (episodische Stoffwechselentgleisung, Muskelschwäche, Atemnot).

ORPHA:26791

Klassifizierungsebene: Störung

Synonym(e):
  • MAD-Mangel
  • MADD
  • Glutarazidurie Typ 2
  • Glutarazidämie Typ 2

Prävalenz: 1-9 / 1 000 000

Erbgang: Autosomal-rezessiv

Manifestationsalter: Alle Altersgruppen

ICD-10: E71.3

ICD-11: 5C52.01

OMIM: 231680

UMLS: C0268596

MeSH: D054069

GARD: 6523

MedDRA: 10090590

Zusammenfassung
Epidemiologie

Die Prävalenz bei Geburt wird auf 1:200.000 geschätzt, es bestehen jedoch regionale und ethnische Unterschiede.

Klinische Beschreibung

Bei Patienten mit MADM werden drei breite klinische Phänotypen unterschieden: (i) Neonataler Beginn mit angeborenen Anomalien, (ii) neonataler Beginn ohne Anomalien (beide zusammengefasst als MADM-schwer (S); s. dort) und (iii) mild und/oder später Beginn (MADM-mild (M); s. dort). Patienten der ersten Gruppe mit MADM-S sind oft frühgeboren und erkranken schon in den ersten 24 Stunden mit schwerer nicht-ketotischer Hypoglykämie, Muskelhypotonie, Hepatomegalie und schwerer metabolischer Azidose. Sie haben in der Regel dysplastische Nieren mit multiplen Zysten. Mögliche weitere Anomalien sind: Faziale Dysmorphien (tiefsitzende Ohren, hohe Stirn, Hypertelorismus, Mittelgesichtshypoplasie), Schaukelstuhlfüße und Anomalien der äußeren Genitalien. In der Regel versterben die Kinder innerhalb der ersten Lebenswochen. Patienten der zweiten Gruppe erkranken in der Regel 24-48 Stunden nach der Geburt mit Muskelhypotonie, Tachypnoe, Hepatomegalie, metabolischer Azidose und hypoketotischer Hypoglykämie. Die meisten versterben innerhalb der ersten Lebenswochen, einige haben mehrere Monate überlebt. Eine schwere Kardiomyopathie ist die häufigste Todesursache. Patienten mit MADM-M zeigen ein weites klinisches Spektrum: Es reicht von Beginn in den ersten Lebensmonaten mit intermittierenden Krisen (Erbrechen, metabolische Azidose, hypoketotische Hypoglykämie mit oder ohne kardiale Beteiligung) bis zur Erkrankung von Jugendlichen/Erwachsenen mit akuten Reye-ähnlichen Symptomen, Ketoazidose und Lipidspeicher-Myopathie. Diese letzte Untergruppe spricht oft auf pharmakologisch dosiertes Riboflavin an (rr-MADM).

Ätiologie

Ursache des MADM sind Mutationen in den Genen ETFA (15q23-q25), ETFB (19q13.3-q13.4) und ETFDH (4q32-q35). Sie kodieren die Alpha- und Beta-Untereinheitren des Elektronen-Transfer-Flavoproteins (ETF) und die ETF-Coenzym Q-Oxidoreduktase. Funktionsstörungen jeweils eines dieser Flavoproteine beeinträchtigen die Fettsäure-Oxidation.

Diagnostische Verfahren

Die Analyse der organischen Säuren im Urin ergibt eine vermehrte Ausscheidung von Dikarboxylsäuren (Glutarsäure, Ethylmalonsäure) und Glyzinkonjugaten in unterschiedlichen Kombinationen. Im Blut sind die C4-C18-Acylcarnitine erhöht. Da aber insgesamt ein schwerer Carnitinmangel besteht, ist das Ausmaß dieser Anomalien begrenzt. In Fibroblasten unter Inkubation mit Palmitinsäure ist in der Regel der Flux der Fettsäure-Oxidation abnorm. Durch Mutationsanalyse wird die Diagnose gesichert. Teil des Neugeborenen-Screenings ist dieser Stoffwechseldefekt in Österreich, Belgien, Ungarn, Island, Portugal und Spanien.

Differentialdiagnose

Differentialdiagnosen sind: Autosomal-rezessive Polyzystische Nierenerkrankung; Carnitin-Palmitoyl-Transferase II-Mangel, neonatale Form; Zellweger-Syndrom und Sterol-Biosynthese-Störungen (s. diese Termini).

Pränataldiagnostik

Wenn in der Familie 2 krankheitsverursachende Mutationen gefunden wurden, ist eine vorgeburtliche Diagnostik möglich.

Genetische Beratung

MADM Wird autosomal-rezessiv vererbt. Den betroffenen Familien soll eine genetische Beratung angeboten werden.

Management und Behandlung

Die Behandlung der schwereren Formen besteht in einer kohlehydratreichen und fett- und proteinarmen Diät. Strikt vermieden werden müssen Fasten und andere mit Stress verbundenen Auslöser. Eine sehr wirksame Behandlung von Patienten mit rr-MAD ist die Supplementierung mit 100-400 mg Riboflavin pro Tag. Einige Patienten profitieren von CoQ10-Gaben. Weniger schwere Fälle wurden erfolgreich mit 3-Hydroxybutyrat behandelt, weitere Untersuchungen sind jedoch erforderlich.

Prognose

MADM-S ist immer fatal. Leichtere Phänotypen haben eine günstigere Prognose.

Aktualisiert am: Februar 2014
Für diese Krankheit ist eine Kurzbeschreibung in den folgenden Sprachversionen verfügbar: English, Français, Español, Italiano, Nederlands Polski, Русский
Detaillierte Informationen

Logo ERN: erstellt/empfohlen von ERN Logo FSMR: erstellt/empfohlen von FSMR

Leitlinien
Notfallleitlinien
English (2012.pdf) - Brit Inher Metab Dis Group
Klinische Leitlinien
Übersichtsartikel
Review-Artikel (Klinischen Genetik)
English (2020) - GeneReviews
Die Dokumente dieser Website dienen nur der allgemeinen Information. Der Inhalt dieser Website ersetzt in keiner Weise eine professionelle Beratung oder Behandlung durch qualifizierte Fachleute. Die vorliegenden Informationen dürfen nicht als Grundlage für eine Diagnose oder Behandlung verwendet werden.