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Hereditäre arrhythmogene Kardiomyopathie
Die arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie (ARVC) ist eine Herzmuskelerkrankung, die in einer fortschreitenden Dystrophie des primär rechtsventrikulären Myokards mit fibrösem Fettersatz und ventrikulärer Dilatation besteht und klinisch durch ventrikuläre Arrhythmien und ein Risiko des plötzlichen Herztodes gekennzeichnet ist.
ORPHA:247
Die Prävalenz wird auf 1 :2.500 bis 1 :5.000 geschätzt.
ARVC hat ein variables Krankheitsbild. ARVC kann asymptomatisch sein oder, in der Regel in der Pubertät, mit ventrikulären Arrhythmien mit Herzklopfen, Brustschmerzen, Schwindel, Müdigkeit oder Synkopen einhergehen. Alle Patienten sind vom plötzlichen Tod bedroht, insbesondere während der Anstrengung. Obwohl es sich überwiegend um eine Erkrankung der rechten Herzkammer handelt, kann die ARVC auch die linke Herzkammer (ARVC links dominante Form) oder beide (ARVC biventrikuläre Form) betreffen, wobei letztere in späteren Stadien zu einem fortschreitenden biventrikulären Versagen führt. ARVC kann mit palmoplantärer Keratodermie und Wollhaaren, den sogenannten kardiokutanen Syndromen (Naxos-Krankheit und Carvajal-Syndrom, s.dort), in Verbindung gebracht werden.
ARVC entsteht durch eine fettige Degeneration des Myokards. Es wird angenommen, dass es sich um eine Krankheit der Desmosomen handelt, die einen fehlerhaften Zell-Zell-Kontakt und gestörte Signalwege aufweisen und es wurden Mutation beschrieben, die für Proteine der kardialen Desmosomen kodieren (JUP, DSP, PKP2, DSG2 und DSC2). In einer Minderheit der Patienten wurden jedoch auch Mutationen in nicht-desmosomalen Genen (TGFB3, TMEM43/LUMA, DES, CTNNA3, PLN, LMNA, TTN) nachgewiesen. Es wird eine variable Penetranz gefunden, was auf eine Rolle für zusätzliche genetische oder umweltbedingte Modifikatoren hindeutet. Die kombinierte/digene Heterozygotie wird bei bis zu 25% der Mutationsträger identifiziert und scheint ein zusätzlicher Risikofaktor zu sein. Neuere Untersuchungen deuten auf eine Rolle des kanonischen Wnt-Signalwegs in der Pathogenese von ARVC hin.
Die Diagnose basiert auf einem Scoring-System unter Berücksichtigung von strukturellen und funktionellen Anomalien der rechten Herzkammer (Dilatation, Akinesie, Dyskinesie, Aneurysmen), die durch Echokardiographie, MRT und Angiographie erkannt werden; elektrokardiographische Merkmale (invertierte T-Wellen in den rechten präkordialen Leitungen, Epsilonwellen und späte Potentiale durch signalgemittelte EKG (SAECG), ventrikuläre Tachykardie im linken Bündelblock, >500 ventrikuläre Extrasystolen pro 24 h); Gewebecharakterisierung bei der endomyokardialen Biopsie (fibro-fetter Ersatz des Myokards); und familiäre Vorgeschichte. Die kontrastverstärkte MRT erhöht die diagnostische Sensitivität erheblich, insbesondere bei Varianten der linken Herzkammer, während die elektroanatomische Kartierung bei der Erkennung einer frühen RV-Beteiligung überlegen ist.
Die Differentialdiagnose umfasst idiopathische RV-Ausflusstrakttachykardie, Myokarditis, Sarkoidose und angeborene Herzerkrankungen (siehe diese Begriffe).
Eine pränatale Diagnostik ist möglich.
Bei mehr als der Hälfte der Patienten ist die Krankheit familiär, vorwiegend autosomal-dominant mit variabler Penetranz und polymorpher Expressivität. Die Naxos-Krankheit und das Carvajal-Syndrom zeigen einen autosomal-rezessiven Vererbungsmodus. Die Erfolgsrate der Genotypisierung hängt von mehreren Faktoren ab (z.B. Kohortenstandort und Ethnizität) und erfordert daher eine spezielle Beratung.
Die Risikostratifizierung bleibt weitgehend empirisch und therapeutische Interventionen umfassen antiarrhythmische Medikamente wie Beta-Blocker, Sotalol und Amiodaron, Katheterablation, implantierbare Kardioverter-Defibrillatoren. Bei refraktärer kongestiver Herzinsuffizienz oder unheilbaren ventrikulären Arrhythmien kann auch eine Herztransplantation in Betracht gezogen werden. Da Anstrengung ein Auslöser für Krankheitsprogression und Arrhythmien ist, sollten Leistungssport und mittlere bis hohe körperliche Aktivität vermieden werden.
Der Krankheitsverlauf ist variabel. Zu den Risikofaktoren für den plötzlichen Tod gehören Familiengeschichte von plötzlichem Tod in jugendlichem Alter, vorangegangener Herzstillstand, Synkope, geringes Alter, verminderte Funktion des linken Ventrikels und eine deutliche Verminderung der Funktion des rechten Ventrikels.
Aktualisiert am: Dezember 2015 - Gutachter : Pr Kalliopi PILICHOU
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