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Beta-Thalassämie intermedia
Die Beta-Thalassaemia (BT) intermedia, eine Form der BT ist gekennzeichnet durch milde oder moderate Anämie, die nicht oder nur gelegentlich eine Transfusion erfordert. Die BT ist häufig in den Mittelmeerländern, im Mittleren Osten, Indien, Süd-China, Nordafrika und Südamerika.
ORPHA:231222
Die Jahres-Inzidenz symptomatischer Fälle von BT beträgt weltweit etwa 1:100.000 und in der EU 1:10.000. Die Prävalenz der BT intermedia ist nicht bekannt.
Die BT intermedia umfasst ein weites klinisches Spektrum: Eher schwere Fälle erkranken im Alter zwischen 2 und 6 Jahren mit Anämie, Splenomegalie und manchmal Hepatomegalie, verlangsamtem Wachstum und verzögerter Entwicklung. In anderen Fällen besteht bei nur leichter Anämie bis in das Erwachsenenalter hinein Beschwerdefreiheit. Oft hypertrophiert das rote Knochenmark, und es kann zu extramedullärer Erythropoese kommen, mit charakteristischen Deformationen der Knochen und des Gesichtes, mit Osteoporose und pathologischen Frakturen der langen Knochen und mit Bildung erythropoetischer Herde vor allem in Milz, Leber, Lymphknoten, Thorax und Wirbelsäule. Seltener verursacht die extramedulläre Erythropoese neurologische Störungen (Kompression des Rückenmarks mit Paraplegie). Die Patienten können auch Ulcus cruris und Gallensteine entwickeln. Im Vergleich zur BT major besteht nach bisherigen Berichten eine erhöhte Thromboseneigung, besonders nach Splenektomie. Obwohl die Patienten das Risiko einer Eisenüberladung tragen, sind dennoch Hypogonadismus, Hypothyreose und Diabetes nicht häufig. Wegen hohen Herzzeitvolumens und Lungenhochdruck ist auch eine Beteiligung des Herzens möglich, wobei die systolische Funktion des linken Ventrikels in der Regel erhalten bleibt.
Ursache der BT intermedia sind homozygote oder compound-heterozygote kleine oder stumme Mutationen im HBB-Gen (11p15.5), das für die Betaketten des Hämoglobins (Hb) kodiert. Die Krankheit wird im allgemeinen autosomal-rezessiv, selten autosomal-dominant vererbt.
Zur Diagnose führen das klinische Bild, die Ergebnisse der Blutanalysen (Hb-Konzentration zwischen 7 und 10 g/dl, mittleres korpuskuläres Volumen (MCV) zwischen 50 und 80 fl, mittleres korpuskuläres Hb (MCH) zwischen 16 und 24 pg), Hämoglobinanalyse und molekulare Analyse.
Die Differentialdiagnose umfasst die genetischen Sideroblastenanämien, die kongenitalen dyserythropoetischen Anämien und andere Krankheiten mit hohem HbF-Spiegel (z.B. Myelomonozytäre Leukämie und aplastische Anämie).
Vorgeburtliche Diagnostik ist ausgewählten Fällen vorbehalten.
Patienten und Paare mit Risiko werden im Rahmen der genetischen Beratung über die Art der Vererbung allgemein und in der Familie und über das klinische Bild aufgeklärt.
Die Behandlung ist symptomatisch. Eine Supplementierung mit Folsäure kann einem Mangel durch die gesteigerte Aktivität des Knochenmarks vorbeugen. Extramedulläre Erythropoeseherde werden radiologisch, mit Transfusionen oder mit Hydroxycarbamid behandelt. Die wichtigsten Indikationen für die Splenektomie sind klinische Folgen der Splenomegalie (Hypersplenismus), eine Verschlechterung der Anämie, die nicht durch temporäre Faktoren, z.B. Infektion, zu erklären ist und die manchmal mit Leukopenie und/oder Thrombozytopenie einhergeht, verlangsamtes Wachstum und kardiale Störungen. Eisenüberladung wird mit Chelatbildnern behandelt. Vor chirurgischen Eingriffen ist zur Vermeidung von Thrombosen eine geeignete Antikoagulation erforderlich. Schwangere müssen multidisziplinär und mit Beteiligung von Spezialisten für die Therapie der Thalassämie betreut werden.
Bei angemessener Überwachung und Behandlung ist die Prognose in der Regel günstig. Die Patienten haben gewöhnlich keine schwere Hämosiderose und neigen weniger zu durch Eisenüberladung bedingten kardialen Problemen. Jedoch kann die Lebenserwartung durch Lungenhochdruck, thromboembolische Komplikationen, foudroyante Sepsis nach Splenektomie und durch Auftreten eines Leberzellkrebses eingeschränkt sein.
Aktualisiert am: Mai 2011
: erstellt/empfohlen von ERN
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