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Beta-Thalassämie major
Die Beta-Thalassaemia (BT) major, eine schwere, früh manifeste Form der BT, ist gekennzeichnet durch schwere Anämie, die regelmäßige Transfusionen von Erythrozyten erfordert.
ORPHA:231214
Die Jahres-Inzidenz symptomatischer Fälle beträgt weltweit etwa 1:100.000 und in der EU 1:10.000. Die Prävalenz dieser Form ist nicht bekannt.
Die Symptome beginnen im Säuglingsalter mit schwerer Anämie, Gedeihstörung und zunehmender Blässe. Fütterprobleme, Diarrhoe, Schreckhaftigkeit, rezidivierende Fieberschübe und zunehmende Vergrößerung des Abdomens durch Splenomegalie und Hepatomegalie sind weitere mögliche Symptome. Unbehandelte oder schlecht transfundierte Patienten wachsen verlangsamt und sind blass und ikterisch. Sie zeigen eine schlecht entwickelte Muskulatur, Genu valgum, Beinulzera und durch extramedulläre Hämatopoese bedingte Veränderungen: Anschwellung von Weichteilen und Skelettveränderungen, z.B. Verformung der langen Beinknochen und typische kranio-faziale Veränderungen wie vorspringende Stirn, prominenten Jochbeinbogen, flachen Nasemrücken, Tendenz zu schräg aufwärts verlaufenden Lidspalten und Hypertrophie der Maxilla mit Freilegung der oberen Zähne. Bei regelmäßig transfundierten Patienten sind Wachstum und Entwicklung eher normal, es entwickeln sich aber im Gefolge der Eisenüberladung Komplikationen wie retardiertes Wachstum und fehlende oder verzögerte Geschlechtsreife. Später auftretende Komplikationen der Eisenüberladung sind dilatative Kardiomyopathie, Arrhythmien, Leberfibrose und -zirrhose, Diabetes mellitus, sowie Insuffizienz von Nebenschilddrüse, Schilddrüse, Hypophyse und, seltener, Nebenniere. Andere Komplikationen sind Hypersplenismus, Venenthrombose und Osteoporose.
Ursache der BT sind homozygote oder compound-heterozygote Punktmutationen oder, seltener, Deletionen im HBB-Gen (11p15.5) mit der Folge verminderter (Beta+) oder fehlender (Beta-) Synthese der Hämoglobin (Hb)-Betaketten.
Den diagnostischen Verdacht weckt ein weniger als zwei Jahre altes Kind mit schwerer mikrozytärer Anämie, leichtem Ikterus und Hepatosplenomegalie. Die Blutanalyse ergibt reduzierte Hb-Spiegel (< 7g/dl), ein mittleres korpuskuläres Volumen (MCV) zwischen 50 und 70 fl, ein mittleres korpuskuläres Hb (MCH) zwischen 12 und 20 pg, Anisopoikilozytose und Erythroblasten im peripheren Blutausstrich. Durch Hb-Analyse und Mutationsnachweis wird die Diagnose bestätigt.
Die Differentialdiagnose ist in der Regel einfach und umfasst die genetischen sideroblastischen Anämien, die kongenitalen dyserythropoetischen Anämien und andere Krankheiten mit hohem HbF-Spiegel (z.B. juvenile myelomonozytäre Leukämie und aplastische Anämien).
Eine vorgeburtliche Diagnostik nach Amniozentese und Präimplantationsdiagnostik sind möglich, wenn beide krankheitsverursachenden Mutationen bekant sind.
Den Eltern und Patienten soll eine genetische Beratung angeboten werden.
Die Behandlung besteht in lebenslangen Transfusionen (zur Korrektur der Anämie und zur Unterdrückung der Erythropoese), in der Hemmung der Eisenresorption im Magendarmtrakt (die bei nicht transfundierten Patienten Folge einer vermehrten, aber ineffizienten Erythropoese ist). Mit Eisen-Chelierung soll nach 10-15 Transfusionen begonnen werden, wenn die Ferritin-Spiegel über 1.000 ng/ml angestiegen sind. Zur Betreuung gehört auch die Behandlung der aus der Eisenüberladung folgenden Komplikationen (verlangsamtes Wachstum, verspätete Pubertät. Hypogonadismus, Hypoparathyreoidismus, Hypothyreose, Diabetes und Osteoporose). Eine Splenektomie kann erforderlich werden. Die Knochenmark-Transplantation ist bisher die einzige kurative Maßnahme. Kürzlich wurde bei einem Patienten erfolgreich eine Gentherapie durchgeführt.
Patienten die nicht regelmäßig Transfusionen und Eisenchelierung erhalten, versterben in der Regel vor dem 2. oder 3. Lebensjahrzehnt, regelmäßig transfundierte und chelierte Patienten haben eine höhere Lebenserwartung. Immer noch sind Komplikationen des Herzens die häufigste Todesursache.
Aktualisiert am: Mai 2011
: erstellt/empfohlen von ERN
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