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Capillary-Leak-Syndrom, systemisches

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Krankheitsdefinition

Das Systemische Capillary-Leak-Syndrom (SCLS) ist eine schwere systemische Erkrankung, verursacht durch erhöhte Kapillarpermeabilität. Charakteristische Merkmale des Syndroms sind Hypotensions-Episoden, Ödeme und Hypovolämie.

ORPHA:188

Klassifizierungsebene: Störung

Synonym(e):
  • Clarkson-Krankheit
  • Kapillarleck-Syndrom

Prävalenz: <1 / 1 000 000

Erbgang: Nicht anwendbar

Manifestationsalter: Erwachsenenalter

ICD-10: I78.8

ICD-11: BD5Y

UMLS: C0343084

MeSH: D019559

GARD: 1084

MedDRA: 10007196

Zusammenfassung
Epidemiologie

Das SCLS wurde seit seiner Erstbeschreibung im Jahr 1960 bisher in weniger als 150 Fällen berichtet.

Klinische Beschreibung

Das mittlere Erkrankungsalter ist 45 Jahre, pädiatrische oder geriatrische Fälle sind selten. Die Erkrankung ist gekennzeichnet durch das Abwechseln von Krisen und Ruhephasen. Der Abstand zwischen den Krisen reicht von wenigen Wochen bis zu mehreren Jahren. Es wird berichtet, dass sie auf Infektionen, meist der oberen Atemwege, folgen, oder perimenstruell oder postpartal auftreten, seltener auch nach intensivem Sport. Die Krisen dauern mehrere Tage oder Wochen an, können unterschiedlich schwer verlaufen, von Schweregrad 1 (Hypotension, die auf orale Flüssigkeitszufuhr anspricht) bis Schweregrad 4 (tödliche Krisen) und weisen eine dreistufige Entwicklung auf. Krisen können mit Prodromen wie generalisierter Schwäche, Müdigkeit, Myalgien, orthostatischer Hypotension, möglichen Verdauungs- (Diarrhö, Abdominalschmerz) und HNO- (Schnupfen, Husten) Symptomen, gelegentlichem Fieber und Gewichtszunahme verbunden sein. Es folgt die Leckphase mit Oligurie, arterieller Hypotension und rascher Entwicklung von Ödemen des Gesichts und der oberen Extremitäten unter Aussparung der Lungen. Der Blutdruckabfall kann zu einem hypovolämischen Schock bei vollem Bewusstsein führen. In der post-Leckphase, führt eine massive Ödemresorption zu Polyurie und Gewichtsverlust. Zu den biologischen Merkmalen gehören eine charakteristische Assoziation von Hämokonzentration mit Hypoalbuminämie ohne Albuminurie, Hyperleukozytose und eine Verminderung der Plasmaproteine im Bereich von 350-750 kDa. Es wurden auch chronische Fälle mit kontinuierlichen generalisierten Ödemen, viszeralen Effusionen, Hypotension und einer weniger stark ausgeprägten Hämokonhentration beschrieben. Komplikationen können in der akuten und der post-Leckphase auftreten: Bei der ersteren gehören hierzu das Kompartment-Syndrom mit Rhabdomyolyse, Herzrhythmusstörungen, Thrombosen, Pankreatitis, Perikarditis (siehe dort), Krampfanfälle, zerebrale Ödeme oder eine Verdickung des Myokards. Eine Rhabdomyolyse und tödliche Perikarditis können in der post-Leck-Phase ebenfalls auftreten, häufiger ist jedoch eine kardiovaskuläre Überlastung. Tödliche akute Lungenödeme wurde in dieser Phase ebenfalls beschrieben. Nierenversagen kann als Folge einer Hypoperfusions-induzierten akuten Tubulusnekrose und Rhabdomyolyse eintreten.

Ätiologie

Das SCLS wird durch eine Kapillar-Hyperpermeabilität unbekannter Ätiologie verursacht. Verschiedene physiopathologische Hypothesen sind in Betracht gezogen worden, wie ein entzündungs-vermittelter Mechanismus oder eine Beschädigung des Kapillar-Endothels durch monoklonale Gammopathie.

Diagnostische Verfahren

Die Diagnose basiert auf der körperlichen und biologischen Untersuchung, dem wiederholten Auftreten von Krisen, der Assoziation von Hämokonzentration mit Hypoalbuminämie als starken Indikatoren. Das Vorhandensein eines anomalen monoklonalen Immunoglobulins, als Paraprotein bezeichnet, legt eine Diagnose nahe, ist allein für diese jedoch nicht ausreichend.

Differentialdiagnose

Die Differentialdiagnose umfasst Sepsis, Anaphylaxie, jede andere Ursache eines Kapillarlecks sowie die Unterbrechung der unteren Hohlvene (siehe dort). Chronische Fälle können als Gleich-Syndrom, venöse Stase, Enteropathie mit Proteinverlust und nephrotisches Syndrom fehldiagnostiziert werden.

Management und Behandlung

Es gibt keine kurative Behandlung, das Krankheitsmanagement ist symptomatisch und prophylaktisch. Die intravenöse Verabreichung von Flüssigkeiten wird nicht empfohlen, da hiermit der arterielle Druck nicht erhöht wird und Ödeme verschlimmert werden und zudem das Risiko einer vaskulären Überlastung in der post-Leckphase erhöht wird. Die orale Verabreichung elektrolythaltiger Flüssigkeiten kann den Schweregrad der Attacken verringern, wenn sie frühzeitig erfolgt, daher ist es von entscheidender Bedeutung, dem Patienten zu helfen, frühe prodromale Anzeichen zu erkennen. Beta-adrenerge Agonisten (Terbutalin) und Phosphodiesterase-Inhibitoren (Theophyllin) haben in einigen wenigen Fällen gute Ergebnisse gezeigt, besitzen jedoch gravierende Nebenwirkungen; intravenös verabreichte Immunoglobuline sind eine vielversprechende prophylaktische Strategie.

Prognose

Trotz der Fortschritte bei der Diagnose und dem Krankheitsmanagement, mit deren Hilfe das Überleben der Patienten verlängert werden konnte, bleibt die Prognose schlecht, die Mortalität erreicht nach 10 Jahren 30-40%.

Aktualisiert am: November 2012 - Gutachter : Pr Zahir AMOURA
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