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Arginin-Vasopressin-Mangel
Der Zentrale Diabetes insipidus (CDI) ist eine hypothalamisch-hypophysäre Störung mit Polyurie und Polydipsie als Folge eines Vasopressin (AVP)-Mangels. Er ist entweder vererbt oder erworben.
ORPHA:178029
Klassifizierungsebene: Störung
- Neurogener Diabetes insipidus
Quelle: PubMed ID 38693275
Prävalenz: 1-9 / 100 000
Erbgang: Autosomal-dominant, Autosomal-rezessiv, X-chromosomal-dominant
Manifestationsalter: Kindesalter
Der CDI hat eine Prävalenz von 1:25.000.
Der Idiopathische CDI tritt am häufigsten im Alter von 10-20 Jahren auf, kann aber in jedem Alter beginnen. Die Symptome der familiären Form können schon in der Neonatalperiode einsetzen. Charakteristische Symptome des CDI sind Polyurie und Polydipsie, in der Regel assoziiert mit Gewichtsverlust. Häufig besteht eine Nykturie, die bei Kindern oft als Enuresis in Erscheinung tritt. Die Polyurie ist gekennzeichnet durch ein Harnvolumen von mehr als150 ml/kg/24 h bei Geburt, 100-110 ml/kg/24h bis zum Alter von zwei Jahren und 40-50 ml/kg/24h bei älteren Kindern und Erwachsenen. Wassermangel führt schnell zur Dehydratation. Weitere mögliche Symptome des CDI bei Kindern sind: Lethargie, Irritabilität, retardiertes Wachstum, Gewichtsverlust, Fieber, Erbrechen oder Diarrhoe. Bei sekundärem CDI folgen weitere Symptome aus der ursächlichen Krankheit.
Der erworbene CDI, besonders bei Kindern und jungen Erwachsenen, ist bedingt durch eine Zerstörung oder Degeneration der Neurone, die ihren Ursprung in den supraoptischen und paraventrikulären Kernen des Hypothalamus haben. Bekannte Ursachen sind Germinom, Kraniopharyngeom, Langerhans-Zell-Histiozytose, Sarkoidose, örtliche entzündliche, autoimmune oder vaskuläre Krankheiten und chirurgisches Trauma oder Unfall. Mögliche Ursache der CDI sind auch Mittellinien-Fehlbildungen des Klein- und Großhirns. Zwischen 20 und 50% der Fälle werden als idiopathisch angesehen. Autoimmunität ist eventuell an der Pathogenese des CDI beteiligt. Weniger als 10% der CDI-Fälle sind durch autosomal-dominant, autosomal-rezessiv oder X-chromosomal-rezessiv vererbte genetische Defekte der AVP-Synthese verursacht.
Die Diagnose des CDI basiert auf dem Nachweis einer Hyperosmolalität des Plasmas (>300 mosm/l) in Verbindung mit einer Hypoosmolalität des Urins (< 300 mosm/l oder Urin-/Plasma-Verhältnis der Osmolalität <1) und Polyurie. Ein Wasserentzugs- und Bluttest ist erforderlich, um den CDI vom Nephrogenen Diabetes insipidus (NDI) abzugrenzen. Für die Differentialdiagnose von CDI und NDI ist die Gabe von Desmopressin hilfreich. Nach Sicherung der Diagnose eines CDI sind weitere Untersuchungen (Tumormarker, Untersuchung des Skeletts, zerebrale Bildgebung) unerlässlich.
Die wichtigste Differentialdiagnose ist der NDI, da beide Krankheiten die gleichen Symptome haben. Kürzlich wurde die Quantifizierung von Aquaporin 2 (AQP2) für die Differentialdiagnose des CDI verwendet, da der fehlende Anstieg der AQP2-Ausscheidung nach Gabe von Desmopressin ein Hinweis auf die nephrogene Form des Diabetes insipidus ist. Eine weitere DD ist das Wolfram-Syndrom.
Bei den sehr seltenen Fällen von familiärem CDI soll eine genetische Beratung empfohlen werden.
Sofortige Aufnahme von Wasser und Medikamenten zur Korrektur der Wasser-und Elektrolytspiegel bestimmen den Behandlungsverlauf des CDI. Desmopressin ist das am häufigsten benutzte antidiuretische Medikament und kann parenteral, oral oder intranasal angewendet werden. Der Tagesbedarf bei oraler Anwendung beträgt 100-1200 µg verteilt auf drei Dosen und etwa 2-40 µg bei intranasaler oder 0,1-1 µg bei parenteraler Anwendung. Im letzteren Fall wird die höchste Plasma-Konzentration nach 40-55 Minuten erreicht. Kontrolluntersuchungen dienen der Analyse der Elektrolytspiegel und der Beurteilung des Behandlungserfolges. Im frühen Säuglingsalter kann die alleinige Gabe von Flüssigkeiten zur Behandlung ausreichen. Der erworbene CDI ist eventuell reversibel, wenn die Ursachen des CDI beseitigt sind und der Hypophysenstiel intakt ist.
Der idiopathische CDI kann nicht geheilt werden, ist aber eine behandelbare Krankheit ohne Auswirkung auf die Lebenserwartung. Wenn bei sekundärem CDI die zugrundeliegende Krankheit ungenügend behandelt wird, ist ein letaler Verlauf möglich.
Aktualisiert am: Juli 2012
: erstellt/empfohlen von ERN
: erstellt/empfohlen von FSMR
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