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Carnitin-Acylcarnitin-Translokase-Mangel

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Krankheitsdefinition

Der Carnitin-Acylcarnitin-Translokase (CACT)-Mangel ist eine vererbte lebensbedrohliche Störung der Fettsäure-Oxidation. In der Regel wird sie im Neugeborenenalter mit schwerer hypoketotischer Hypoglykämie, Hyperammonämie, Kardiomyopathie und/oder Arrhythmie, Leberfunktionsstörung, Muskelschwäche und Enzephalopathie manifest.

ORPHA:159

Klassifizierungsebene: Störung

Synonym(e):
  • CACT-Mangel

Prävalenz: <1 / 1 000 000

Erbgang: Autosomal-rezessiv

Manifestationsalter: Kleinkindalter, Neugeborenenzeit

ICD-10: E71.3

ICD-11: 5C52.00

OMIM: 212138

UMLS: C0342791

MeSH: C562812

GARD: 1123

MedDRA: 10078729

Zusammenfassung
Epidemiologie

Die Prävalenz ist nicht bekannt. Weltweit wurden bisher weniger als 60 Fälle beschrieben.

Klinische Beschreibung

Die meisten Patienten mit CACT-Mangel haben einen schweren Phänotyp mit innerhalb der ersten 48 Stunden nach Geburt auftretender hypoketotischer Hypoglykämie, Hyperammonämie, Kardiomyopatie und Arrhythmie, Skelettmuskelschaden, Leberfunktionsstörung und Hypothermie. Neurologische Zeichen des weiteren Verlaufs sind Enzephalopathie, Epilepsie und verzögerte Entwicklung. Einige Patienten erleiden einen plötzlichen Kindstod. Ein seltener milder Phänotyp beginnt im Säuglings- oder frühen Kindesalter mit Episoden von hypoketotischer Hypoglykämie und Hyperammonämie, die oft durch Fasten und/oder interkurrente Erkrankungen ausgelöst werden.

Ätiologie

Ursache des CACT-Mangels sind Mutationen im SLC25A20-Gen (3p21.31). Das Transportprotein CACT liegt an der inneren Mitochondrienmembran und katalysiert hier als essentielle Komponente des Carnitin-Zyklus den Austausch von Carnitin und Acylcarnitin. Der Carnitin-Zyklus steuert den Transport der langkettigen Fettsäuren in die Mitochondrien, dem Ort der Fettsäureoxidation. Der mildere Phänotyp ist mit einer Restaktivität von CACT verbunden.

Diagnostische Verfahren

Bei Patienten mit CACT-Mangel besteht eine unspezifische Dikarboxylazidurie. Im Blut sind die Acylcarnitine vermehrt, besonders deren C16-, C18- und C18:1-Fraktion. Der Spiegel des freien Carnitins ist sehr niedrig. Die Diagnose wird bestätigt durch spezifische enzymatische Analyse in kultivierten Fibroblasten oder Lymphozyten und durch Nachweis von zwei pathogenen Mutationen im SLC25A20-Gen. CACT-Mangel ist Teil des Neugeborenenscreenings in Öösterreich, Tschechien, Deutschland, Ungarn, Island, Portugal und Spanien.

Differentialdiagnose

Die neonatale und die schwere Form des Carnitin-Palmitoyl-Transferase II (CPT II)-Mangels muss ausgeschlossen werden, da die Acylcarnitin-Profile bei CPT II- und CACT-Mangel identisch sind. Auch klinisch können beide Krankheiten kaum unterschieden werden, jedoch werden angeborene Anomalien manchmal beim CPT II-, nie aber beim CACT-Mangel gesehen.

Pränataldiagnostik

Wenn in der Familie 2 pathogene Mutationen gefunden wurden, ist eine vorgeburtliche Diagnostik durch Mutationsanalyse in Chorionzotten möglich. Eine spezifische enzymatische Analyse ist in kultivierten Chorionzellen möglich.

Genetische Beratung

Der CACT-Mangel wird autosomal-rezessiv vererbt. Den betroffenen Familien soll eine genetische Beratung angeboten werden

Management und Behandlung

Neben striktem Vermeiden von Fasten ist die Etablierung einer Diät mit Reduktion der langkettigen Fette und Substitution mit mittelkettigen Triglyzeriden (MCT) erforderlich. Die MCT-Zubereitung muss jedoch so wenig wie möglich C10- und C12-Fettsäuren enthalten, da eine hohe Aufnahme dieser Fettsäuren zur Dekompensation führen kann. Empfohlen wird auch eine Supplementierung mit Carnitin. In akuten Episoden wird intravenös Glukose gegeben, um Lipolyse zu verhindern.

Prognose

Der schwere CACT-Mangel hat in der Regel eine ungünstige Prognose, die meisten Patienten versterben vor dem Alter von 3 Monaten. Einige früh durch die Neonatalperiode hindurch behandelte Kinder hatten mittelfristig ein günstiges Ergebnis. Patienten mit dem milden Phänotyp haben meist eine günstige Prognose, wenn sie den therapeutischen Richtlinien folgen.

Aktualisiert am: Februar 2014 - Gutachter : Dr Simon OLPIN
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