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Diamond-Blackfan-Anämie
Die Blackfan-Diamond-Anämie (DBA) ist eine kongenitale aplastische und oft makrozytäre Anämie mit verminderter Zahl der Erythroblasten.
ORPHA:124
Klassifizierungsebene: Störung
- Anämie, hypoplastische, kongenitale, Typ Blackfan-Diamond
- Aplasie der roten Blutkörperchen, angeborene
- Aplastische Anämie, isolierte kongenitale
- Diamond-Blackfan-Syndrom
- PRCA, kongenital
- Kongenitale reine Erythrozytenaplasie
Prävalenz: Unbekannt
Erbgang: Autosomal-dominant
Manifestationsalter: Kindesalter, Kleinkindalter, Neugeborenenzeit
Die Prävalenz unter Lebendgeburten in Europa wurde auf 1:150.000 geschätzt. Beide Geschlechter sind gleich häufig betroffen, ethnische Häufungen wurden nicht beschrieben.
Die Anämie wird bereits früh im Leben erkannt, meist innerhalb der ersten beiden Lebensjahre. Nur noch sehr selten erfolgt eine Diagnose nach dem 4. Lebensjahr. Blässe und Dyspnoe besonders während des Fütterns oder beim Saugen sind die wichtigsten Warnzeichen. Hämatologisch ist die Blässe ein isoliertes Symptom: Es fehlen Organomegalie, Zeichen einer Hämolyse oder Symptome einer Beteiligung anderer Zelllinien. Mehr als die Hälfte der Patienten mit DBA sind kleinwüchsig und haben angeborene Anomalien, am häufigsten Pierre-Robin-Sequenz, Gaumenspalte (s. diese Termini) und Daumen- und Urogenitalfehlbildungen. Schwangerschaften von Frauen mit DBA stellen ein hohes Risiko für Mutter und Kind dar. Patienten mit DBA haben ein erhöhtes Risiko für Leukämien und Karzinome.
Die DBA wird autosomal-dominant mit variabler Expressivität vererbt. Ursächliche Mutationen können zur Zeit bei 40-45% der Patienten nachgewiesen werden. Alle beteiligten Gene kodieren für ribosomale Proteine entweder der kleinen (RPS7 (2p25), RPS17 (15q), RPS19 (19q13.2), RPS24 (10q22-q23)) oder der großen Untereinheit (RPL5 (1p22.1), RPL11 (1p36.1-p35), RPL35A (3q29-qter)). Mutationen in RPS19, RPL5 und RPL11 werden bei 25%, 9% und 6,5% der Patienten gefunden. Die übrigen Gene sind jeweils nur bei 1-3% der Patienten beteiligt. Die einzige bisher gefundene Genotyp/Phänotyp-Korrelation betrifft das häufige Auftreten kraniofazialer Anomalien bei RPL5- und RPL11-Mutationsträgern und die Seltenheit dieser Anomalien bei RPS19-Mutationsträgern.
Bei einem anämischen Kind mit verminderter Erythroblastenzahl unterstützen die Familiengeschichte (10-20% der Fälle), assoziierte Fehlbildungen (40% der Fälle) und eine erhöhte Aktivität der erythrozytären Adenosin-Desaminase (EAD) die Diagnose einer DBA. Der letztere Befund wird häufig erhoben, ist aber unspezifisch. Auch bei Verwandten ohne weitere Zeichen einer DBA kann die Aktivität der EAD erhöht sein. Der Nachweis einer krankheitsverursachenden Mutation unterstützt die Diagnose.
Differentialdiagnosen sind die Transiente Erythroblastopenie (s. dort), die chronische Familiengeschichte (10-20% der Fälle), assoziierte Fehlbildungen (40% der Fälle) und eine erhöhte Aktivität der erythrozytären Adenosin-Desaminase (EAD) die Diagnose einer DBA. Der letztere Befund wird häufig erhoben, ist aber unspezifisch. Auch bei Verwandten ohne weitere Zeichen einer DBA kann die Aktivität der EAD erhöht sein.
Die genetische Beratung wird durch die unterschiedliche klinische Expressivität erschwert und die vorgeburtliche Diagnostik durch die Tatsache, dass nur bei 40-45% der Patienten eine Mutation in einem RP-Protein nachweisbar ist. In familiären Fällen besteht ein Wiederholungsrisiko von 50%. In allen Fällen wird für Schwangerschaften eine engmaschige Ultraschallkontrolle empfohlen.
DBA wird autosomal-dominant mit variabler Penetranz vererbt.
Zwei wichtige therapeutische Maßnahmen sind regelmäßige Transfusionen und langfristige Gabe von Kortikosteroiden, beides individuell und dem Alter des Patienten angepasst. Im ersten Lebensjahr sollen keine Steroide gegeben werden. Kleinwuchs als ein Symptom des Syndroms und als Komplikation der Behandlung (Steroide, Hämochromatose) ist für die Patienten ein erhebliches Problem. Bei steroidresistenten Patienten muss eine allogene Knochenmarktransplantation diskutiert werden, wenn ein HLA-identisches Geschwister vorhanden ist.
Die Prognose ist im allgemeinen gut, aber Behandlungskomplikationen und ein erhöhtes Krebsrisiko verringern evtl. die Lebenserwartung. Der Schweregrad der Krankheit wird durch die Qualität der Betreuung und durch das Ansprechen auf die Behandlung bestimmt. Regelmäßige Transfusionen erhöhen die Lebensqualität.
Aktualisiert am: Februar 2009
: erstellt/empfohlen von ERN
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