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Behçet-Syndrom
Eine seltene chronisch-rezidivierende, multisystemische Vaskulitis, die durch mukokutane Läsionen und artikuläre, vaskuläre, okuläre und das Zentralnervensystem betreffende Symptome gekennzeichnet ist.
ORPHA:117
Klassifizierungsebene: Störung
- Behçet-Krankheit
- Morbus Adamantiades-Behçet
Prävalenz: 1-9 / 100 000
Erbgang: Multigenetisch/Multifaktoriell
Manifestationsalter: Jugendalter, Erwachsenenalter, Kindesalter
Die Behçet-Krankheit (BD) wird am häufigsten bei Populationen entlang der Seidenstraße beschrieben, wobei die höchste Prävalenz in der Türkei mit >1/1.000 berichtet wird, im Vergleich zu 1/10.000 in Japan. Europäische Fälle werden häufiger in Ländern des Mittelmeerraumes beschrieben.
Die Erkrankung tritt am häufigsten bei Erwachsenen auf (Durchschnittsalter 30 Jahre), aber auch Fälle bei Kindern sind bekannt. Rezidivierende Episoden von runden oralen Aphthen mit scharfen erythematösen und erhabenen Rändern (1-3 cm Durchmesser) können von genitalen Aphthen begleitet sein (>50 % der Fälle); kutane Merkmale können Pseudofollikulitis und Erythema nodosum umfassen. Augenerkrankungen (posteriore Uveitis, retinale Vaskulitis) treten bei mehr als 50 % der BD-Patienten auf. Arthralgien und/oder asymmetrische, nicht erosive Arthritis, die hauptsächlich die großen Gelenke (Knie, Knöchel usw.) betreffen, sind häufig (45 %) und können das erste Symptom sein. Vaskulitis bei BD tritt häufiger im venösen System auf, wo Thrombosen in der femoro-iliakalen Vene, der oberen und unteren Hohlvene und im Gehirn auftreten können. Seltenere arterielle Thrombosen und Aneurysmen betreffen hauptsächlich die Lungengefäße und die Aorta. Neurologische Manifestationen (Neuro-BD) sind häufig (>20 %) und können Kopfschmerzen, Fieber, Pyramidensymptome mit Hemiparese, Hirnnervenläsionen, Meningitis, Verhaltensänderungen und Sphinkterstörungen umfassen. Aphthoide und/oder ulzerative Läsionen können den gesamten Verdauungstrakt betreffen, vor allem aber das Ileozökum und das Colon ascendens, was zu Blutungen und Perforationen führen kann.
Eine genetische Prädisposition für BD unbekannter Ursache kann bei bestimmten infektiösen (insbesondere Streptococcus sanguis) und/oder umweltbedingten Infektionen zu Symptomen mit sporadischen Entzündungsschüben führen, die aufgrund von Kreuzreaktionen mit Mundschleimhautantigenen an autoinflammatorische Erkrankungen erinnern. Das HLAB5101-Antigen ist bei 50-60% der Patienten mit BD assoziiert. NF-kB-Aktivierung und abnorme Zytokinspiegel (z.B. IL-6, TNF-a, IL-8, IL-12, IL-17 und IL-21) wurden in die Pathogenese der BD miteinbezogen. Eine familiäre, autosomal dominante Form der BD, die A20-Haploinsuffizienz, ist mit Mutationen in TNFAIP3(6q23.3) assoziiert.
Die Diagnose der BD ist im Wesentlichen klinisch und basiert auf den internationalen Klassifikationskriterien, die sensitiv und spezifisch sind. Das Vorhandensein von rezidivierenden oralen Ulzerationen (mindestens dreimal innerhalb von 12 Monaten; 2 Punkte), genitalen Ulzerationen (2 Punkte), Uveitis (2 Punkte), Hautläsionen (1 Punkt), kardiovaskulären (1 Punkt), neurologischen (1 Punkt) und/oder pathologischen Reaktionen (1 Punkt). Morbus Behçet wird mit 4 oder mehr Punkten bewertet. Andere Elemente können die Diagnose unterstützen. Eine isolierte schwere viszerale Beteiligung (z. B. Vena cava, zerebrale und/oder subhepatische Venenthrombose, pulmonale Aneurysmen, neurologische Beteiligung und/oder retinale Vaskulitis) kann ursächlich sein und sollte eine BD verursachen; daher wird die systematische Einholung einer Expertenmeinung empfohlen. BD in der Familienanamnese erhöht ebenfalls die Wahrscheinlichkeit einer Diagnose. Die Bestimmung des HLA-B51-Haplotyps ist kein aussagekräftiges diagnostisches Element, kann aber bei diagnostischer Unsicherheit hilfreich sein.
Die Differentialdiagnose richtet sich nach den Manifestationen: Herpesulzera, Spondylarthropathien, infektiöse Uveitis, rezidivierende Polychondritis, Sarkoidose, Antiphospholipidsyndrom, Takayasu-Arteriitis, Morbus Crohn, infektiöse Meningoenzephalitis oder multiple Sklerose können in Betracht gezogen werden.
Entzündungshemmende Steroide bilden die Grundlage der Behandlung; nach Absetzen der Medikamente können jedoch Kortikoidabhängigkeit und Rückfälle auftreten. Die gleichzeitige Gabe von Immunsuppressiva (z. B. Azathioprin, Cyclophosphamid, Methotrexat oder Mycophenolatmofetil) wird ebenfalls verordnet, wirkt aber verzögert. Anti-TNF und alpha-Interferon (2a oder 2b) sind vor allem bei schwerer Uveitis wirksam, und Thrombozytenaggregationshemmer oder Antikoagulanzien werden bei Gefäßthrombosen diskutiert. Colchizin lindert die mukokutanen Symptome. Apremilast wurde kürzlich zur Behandlung therapierefraktärer oraler Ulzerationen bei BD zugelassen. Die Wirksamkeit hängt von einem raschen Therapiebeginn und der Compliance des Patienten ab.
Unbehandelt ist die Prognose aufgrund der Augenbeteiligung, die zur Erblindung führen kann, des Risikos einer tödlichen Arterienruptur, einer großen Gefäßthrombose und neurologischer Symptome, die zu Enzephalopathie oder zerebraler Hypertonie und damit zum Verlust der Selbständigkeit führen können, ungünstig. Es hat sich gezeigt, dass eine intensivmedizinische Behandlung in Verbindung mit einer engmaschigen multidisziplinären Nachsorge und einer angepassten immunsuppressiven Therapie die Morbidität und Mortalität senken kann.
Aktualisiert am: Juni 2020 - Gutachter : Pr David SAADOUN
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