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Nebenniereninsuffizienz, chronische primäre

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Krankheitsdefinition

Die chronische primäre Nebenniereninsuffizienz (CPAI) ist eine chronische Störung der Nebennierenrinde mit unzureichender Produktion von Glukokortikoid- und Mineralokortikoid-Hormonen.

ORPHA:101959

Klassifizierungsebene: Gruppe von Störungen

Synonym(e):
  • Adrenokortikale Insuffizienz, chronische
  • CPAI

Prävalenz: 1-5 / 10 000

Erbgang: Multigenetisch/Multifaktoriell

Manifestationsalter: Alle Altersgruppen

UMLS: C5848257

GARD: 19803

Zusammenfassung
Epidemiologie

In westlichen Populationen beträgt die Prävalenz etwa 1/ 7.100 und die jährliche Inzidenz etwa 1/ 250.000.

Klinische Beschreibung

Am häufigsten beginnt die Krankheit im Alter von etwa 40 Jahren, ein Beginn ist jedoch in jedem Alter möglich. Die ersten Symptome sind unspezifisch und scheinbar harmlos, da sie für andere, häufigere Störungen gehalten werden können. Zu den häufigen Symptomen zählen Müdigkeit, Antriebsverlust, Unwohlsein, Gewichtsverlust, Übelkeit, Anorexie (Gedeihstörung bei Kindern), Muskel- und Gelenkschmerzen. Die Pigmentierung der Haut und der Schleimhäute (dunkle Haut, insbesondere an den Falten der Handfläche, Fingerknöcheln, Narben, Mundschleimhäuten und Stellen, die Reibung ausgesetzt sind) ist ein Kardinalsymptom der CPAI. Symptome der orthostatische Hypotonie und Hypoglykämie sind späte Symptome. Bei den Patienten kann außerdem einen verstärktes Verlangen nach Salz auftreten. Vitiligo (siehe dort) und Alopecia areata sind oft vorhanden, wenn eine Autoimmunstörung die Ursache bildet. Die CPAI verursacht außerdem einen Dehydroepiandrosteron-Mangel, was weitere Symptome verursacht, die ausschließlich bei Frauen beobachtet werden (Verlust der Achsel-/Schamhaare, Fehlen der Pubarche bei Kindern, verringerte Libido und trockene Haut). Eine akute Nebenniereninsuffizienz (AAI; siehe dort) kann auftreten, wenn die Behandlung nicht eingehalten wird oder während plötzlicher Krankheiten. Sie stellt dann einen lebensbedrohenden medizinischen Notfall dar.

Ätiologie

Die häufigste Ursache der CPAI in den Industriestaaten (80%-90% der Fälle) ist die Addison-Krankheit (AD; siehe dort), auch als autoimmune Adrenalitis bezeichnet. Eine autoimmune Adrenalitis kann isoliert oder als Teil einer Autoimmunstörung (autoimmunes polyendokrines Syndrom Typ 1, 2 oder 4; siehe jeweils dort) auftreten. Weitere Ursachen einer CPAI sind Tuberkulose (siehe dort), Pilzinfektionen und AIDS-assoziierte opportunistische Infektionen. Genetische Störungen (z.B. Kongenitale Nebennierenhyperplasie; siehe dort), Tumore und eine Behandlung mit bestimmtem Medikamenten sind weniger häufige Ursachen.

Diagnostische Verfahren

Biochemische Tests sind erforderlich, um eine CPAI zu diagnostizieren. Gemessen werden die frühmorgendlichen Serum-Cortisol- und Plasma-ACTH (Adrenokortikotropes Hormon)- Werte. Das Plasma-ACTH ist deutlich höher bei Personen mit einer CPAI (>22 pmol/L), die morgendlichen Serum-Cortisol-Werte sind in der Regel niedrig (<83nmol/L), können jedoch fluktuieren. Ein Stimulationstest, bei dem die Cortisol-Antwort auf exogenes ACTH gemessen wird, ist eine wertvolle Hilfe zur Bestätigung der Diagnose. Bei gesunden Personen steigen die Serum-Cortisol-Konzentrationen (>500 nmol/l) nach Gabe von exogenem ACTH, während bei CPAI-Patienten kein Anstieg erfolgt. Erhöhte Plasma-ACTH-Werte bestätigen, dass die Erkrankung ihren Ursprung in der Nebenniere hat.

Differentialdiagnose

Differentialdiagnostisch muss eine sekundäre Nebenniereninsuffizienz mit ihren Ursachen (Hypophysen-Tumoren (siehe dort), lymphatische Hypophystitis, hypophysäre Tuberkulose und Sarkoidose (siehe dort)) ausgeschlossen werden.

Management und Behandlung

Das Krankheitsmanagement erfolgt lebenslang und erfordert ein multidisziplinäres Team. Ein Glukokortikoid-Ersatz mit oralem Hydrocortison (10-25 mg täglich in 2-3 Dosen) wird verabreicht, um das physiologische Cortisol-Sekretionsmuster nachzuahmen. Orales Fludrocortison wird verabreicht, um mineralokortikoide Hormone zu ersetzen. Ein Dehydroepiandrosteron-Ersatz ist optional. Glukokortikoid-Werte können in Stressperioden angepasst werden, um eine AAI zu vermeiden. Die Hydrocortison-Dosis wird auf der Basis der klinischen Untersuchung und der Reaktionen berechnet, wobei das Befinden des Patienten und das Vorhandensein von Anzeichen eines Über- oder Unter-Substitution zu berücksichtigen sind. Eine Untersuchung der Plasma-Renin-Aktivität ist hilfreich für die Optimierung der Fludrocortison-Dosis. Bei Kindern müssen Wachstum und die Entwicklung kontrolliert werden. Patienten sollten für den Fall eine Nebennieren-Krise ein injektionsbereites Hydrocortison-Set bei sich führen und einen Notfallausweis tragen. Prognose:

Prognose

Es gibt keine kurative Behandlung der CPAI, jedoch kann bei geeigneter Behandlung und Vorsorge zur Verhinderung einer AAI erreicht werden, dass sich die Lebenserwartung nicht verringert. Eine CPAI ist nur dann lebensbedrohlich, wenn man sie ignoriert.

Aktualisiert am: November 2012 - Gutachter : Dr Anne BACHELOT
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