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Romano-Ward-Syndrom
Das Romano-Ward-Syndrom (RWS) ist eine Unterform des familiären Long-QT-Syndroms, die durch synkopische Episoden und elektrokardiografische Anomalien (QT-Verlängerung, T-Wellen-Anomalien und ventrikuläre Tachykardien mit Torsade de pointes (TdP)) gekennzeichnet ist.
ORPHA:101016
Klassifizierungsebene: Störung
Prävalenz: 1-5 / 10 000
Erbgang: Autosomal-dominant, Autosomal-rezessiv
Manifestationsalter: Alle Altersgruppen
Die Prävalenz des RWS wird auf 1:2.500 geschätzt.
Kardiale Ereignisse treten vom Säuglingsalter bis ins mittlere Lebensalter auf, können sich aber auch schon in der intrauterinen Phase manifestieren, wobei die Möglichkeit einer Totgeburt besteht. Bei den meisten Patienten treten die Symptome bei körperlicher Anstrengung oder als Reaktion auf Stress oder emotionale Störungen auf, seltener in Ruhe oder im Schlaf. Die synkopalen Episoden sind auf die TdP zurückzuführen, eine polymorphe ventrikuläre Tachykardie. Die TdP degeneriert häufig zu Kammerflimmern und führt zu Herzstillstand oder plötzlichem Tod. Bei einigen Patienten kann der Herzstillstand die erste Manifestation der Krankheit sein. Das Elektrokardiogramm zeigt typischerweise eine Verlängerung der ventrikulären Repolarisation (QTc > 460 ms) und biphasische oder gekerbte T-Wellen in den präkordialen Ableitungen. Schlag-zu-Schlag-Wechsel der T-Welle (in Polarität oder Amplitude) können in Ruhe vorhanden sein, treten jedoch am häufigsten bei emotionalem oder körperlichem Stress auf und können der TdP vorausgehen. Die Herzfrequenz kann in Ruhe oder bei Belastung langsamer als normal sein.
RWS kann durch Mutationen in Genen verursacht werden, die entweder für Untereinheiten kardialer Ionenkanäle oder für Proteine kodieren, die mit kardialen Ionenkanälen interagieren. Bisher wurden pathogene Mutationen in zahlreichen Genen identifiziert, zu den häufigsten ursächlichen Genen gehören KCNQ1, KCNH2, SCN5A. Weitere bekannte LQTS-verursachende Gene sind CALM1, CALM2 und TRDN, aber auch andere Gene wurden beschrieben.
Zur Diagnose führen die typischen EKG-Befunde, die klinischen Symptome und die Familienanamnese. Bei klinisch-diagnostischem Verdacht soll bei den Patienten immer eine molekulargenetische Diagnostik durchgeführt werden. Sie sollte auch bei betroffenen Familienangehörigen durchgeführt werden, um Personen mit dem Risiko für plötzlichen Herztod zu identifizieren.
Typische Fälle sind so charakteristisch, dass sie keine Differenzialdiagnose erfordern. Bei Grenzfällen sollten folgende Erkrankungen in Betracht gezogen werden: katecholaminerge polymorphe ventrikuläre Tachykardie (CPVT), Jervell- und Lange-Nielsen-Syndrom und andere Formen von LQTS sowie vasovagale Synkope, ventrikuläre Tachykardie, medikamenteninduziertes LQTS und Epilepsie.
Eine vorgeburtliche Diagnostik kann durchgeführt werden, wenn in der Familie die ursächliche Mutation bekannt ist.
Der Erbgang ist meist autosomal-dominant und eine genetische Beratung der betroffenen Familien wird empfohlen. Es besteht ein Risiko von 50%, dass die pathogene Variante von einer betroffenen Person an ihre Nachkommen weitergegeben wird. Ein autosomal-rezessiver Erbgang wurde in wenigen Fällen von RWS beschrieben, die durch Mutationen im TRDN-Gen verursacht werden.
Beta-adrenerge Antagonisten sind bei symptomatischen Patienten die Therapie der ersten Wahl. Immer wenn trotz hochdosierter Betablocker-Therapie erneut synkopale Episoden auftreten, soll die linkskardiale Sympathicus-Denervierung in Erwägung gezogen und, wenn immer möglich, auch durchgeführt werden. Die Implantation eines Herzschrittmachers ist nur selten indiziert, z.B. bei Kleinkindern und jüngeren Kindern mit einem atrio-ventrikulären 2:1-Block. Immer ist die Implantation eines Kardioverter-Defibrillators nach einem Herzstillstand indiziert, oder wenn der Patient es wünscht und wenn trotz Beta-Blockade und LCSD erneut Synkopen auftreten. Der prophylaktische Einsatz von Betablockern ist bei asymptomatischen Kindern und Erwachsenen unter 40 Jahren mit LQTS (LQT1, LQT2 oder LQT3) indiziert. LQTS und seine Varianten sind die Hauptursache für den plötzlichen Herztod bei jungen, ansonsten gesunden Menschen und tragen wesentlich zum plötzlichen Kindstod (SIDS) bei. Da sehr wirksame Therapien zur Verfügung stehen, ist eine frühzeitige Diagnose (Neugeborenen-EKG-Screening) von entscheidender Bedeutung und ermöglicht ein präventives Management.
Die Prognose ist bei Säuglingen mit Herzrhythmusstörungen im ersten Lebensjahr und bei Säuglingen mit Mutationen in den Calmodulin-Genen sehr schlecht.
Aktualisiert am: August 2020 - Gutachter : Pr Peter SCHWARTZ
: erstellt/empfohlen von ERN
: erstellt/empfohlen von FSMR
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